Aus für Steinbruch "Marta"?: Steinhart kämpfen Steinhardter gegen die Macht des Geldes und Sprengungen! - "Vor Gericht und auf Hoher See..."

Kategorie: Kreis KH, Soonwald, Lokale News an Nahe und Glan, Bad Sobernheim

 

FOTOS UNTEN-Bad Sobernheim. Es sieht nicht gut aus. Mehrere Bürgermeister und der Chef der VG-Werke sind in großer Sorge um den künftigen Wasserhaushalt, wenn der Steinbruch Marta kommt. Warum werden geologische Gutachten „abgebügelt“? Die „BI Menschen gegen Marta“ wird weiter kämpfen. Der BUND hat Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Das Oberverwaltungsgericht lehnte zudem einen Eilantrag der Firma Faber auf Beginn der Rodungsarbeiten ab und dadurch ist erstmal bis Oktober 2012 eine trügerische Ruhe eingekehrt, dies wurde bei einer gut besuchten CDU-Infoveranstaltung deutlich.

Querfeldein und knöcheltief ging es durch wassergetränkte Auen und Äcker und steile Raine zum Marienpforter Hof, und von da aus weiter über rutschige Waldböden zur südöstlichsten Grenze des Vorhabensgebietes. „In vorauseilendem Gehorsam“, so die BI gegen den Steinbruch Marta, stehen schon Telegrafenmasten mitten im Wald und sind Bäume zur Rodung angezeichnet, wo der Steinbruch 80 Meter tief in die Erde getrieben werden soll. Chronologisch wurde anhand von Unterlagen und Kartenmaterial das Vorhaben im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) detailliert erörtert. Im Bereich Marienpforter Hof und dem nördlichsten Haus Kistner im  Steinhardter Neubaugebiet sollen verplombte Messgeräte Sprengungen und Erschütterungen aufzeichnen. Sie seien 40 Jahre lang unüberhörbar, Fremdenverkehr und „Bad“ –Titel ade´.

Stadtratsmitglied Thomas Michel berichtete von dem Kuriosum, dass Steinhardt nie eine eigenständige Gemeinde und die Gemarkung nach Sobernheim und Waldböckelheim geteilt war. Er brachte das Dilemma ohne Umschweife auf den Punkt: „Wir haben den Dreck und den Lärm, und die Waldböckelheimer kassieren“. Der Marienpforter Hof ist direkt betroffen, hier leben 16 Menschen und sind Gebäude und alte Türme bis hin zur völligen Zerstörung gefährdet: „Wir lehnen den Steinbruch kategorisch ab und gehen davon aus, dass er nicht kommt!“, gab Heidi Thres die Marschroute vor. Aber: Man fahre mit Bauchweh zweigleisig und habe einen Plan B. Mitglieder werden mobilisiert, die „Kriegskasse“ massiv aufgestockt.

Der Planfeststellungsbeschluss für die Steinbruchgenehmigung wurde vom Verwaltungsgericht Koblenz 2007  aufgehoben, da die Gebietsabgrenzung für das FFH-Gebiet fehlerhaft war. Ein Paukenschlag: „Das Vorhaben war von den Landesbehörden ohne fachliche Erfordernis wie ein Tortenstück aus dem FFH-Gebiet herausgeschnitten worden“, hieß es in der Begründung. Ursprünglich ging es 2003 um neun Hektar, mittlerweile spreche man von 14,5 Hektar. Im fortgeschriebenen  Landesentwicklungspan wurde das ursprüngliche Naherholungsgebiet umgeschrieben und wird in schulischen Erdkundebüchern bereits als aktiver Bergbaubetrieb ausgewiesen.  „Ungeheuerlich“, klagen die Steinhardter. Art und Umfang machten die Zuhörer hellhörig und betroffen: Faber hat 30 Hektar Wald gepachtet, zahle jetzt schon jährlich an Waldböckelheim Pacht und wenn der Steinbruch brummt „über 220.000 Euro jährlich plus Vergütung je Tonne Abbau“.  Nach bestehendem Bergrecht könnten gar 22 Hektar über 40 Jahre abgebaut werden: „….Lagerflächen sind bis zur Gänze auszubeuten. Und das heißt nichts anderes, dass wir hier bis nach Bockenau gucken können und Kirner Verhältnisse bekommen“, entrüstete sich Wolfgang Berg vom BI-Vorstand, der Antrag gehe von 300 Lkw-Bewegungen täglich aus. Es sei bedauerlich, dass „der Mensch weniger zählt als Juchtenkäfer oder die Mops-Fledermaus“ und der Profit, empörte sich Willi Scheer.

Im Quellgebiet des Seibersbaches wurde die Grundwasserproblematik als ein Hauptproblem erörtert: Sie sei bisher „totgeschwiegen und abgebügelt worden“, prangerte Heidi Thres die Süffisanz der Argumentation an. Eine 2005 im Kaisersaal vorgelegte Stellungnahme habe die Hydrogeologie und Hydrologie von „Douw Consulting“ für den Antragsteller als „schlicht falsch, unzulässig und verharmlosend“ entlarvt. Der Seibersbach sei immer hochgelegt worden, damit er Wasserkraft für den Marienpforter Hof liefere. Mit dem Steinbruch würden jährlich bis 850.000 Kubikmeter Grundwasser, etwa der komplette Verbrauch in der VG-Bad Sobernheim, ungenutzt abgeführt. Grotesk und praradox sei in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinde Waldböckelheim im Rahmen der „Aktion Blau“ mit Landes-Fördergeldern den Seibersbach renaturieren will. In weitem Umkreis sinke dagegen der Grundwasserspiegel rapide. Alte gewachsene Hainbuchenbestände würden verdorren, Lehmschichten austrocknen, von Häuserschäden ist die Rede: „Die gleichen Leute, die im Soonwald einen Nationalpark befürworten, nehmen hier sehenden Auges eine ökologische Umweltkatastrophe größten Ausmaßes in kauf- ein Skandal!“, wetterte und wiederholte Dr. Jörg Maschtowski mehrfach.

Es waren fundiert vorgetragene Tatsachen, die nach Meinung aller Teilnehmer vor Ort gegen einen „Tagebau Marta“ sprechen und zunehmend wurden die Wortmeldungen bis hin zu einem „Bananenstaat“ oder der „Frage finanzieller Zuwendungen“ provokativer und emotionaler.


Im Gänsemarsch querfeldein

Steiles Terrain...

zum Marienforter Hof

Hier solls rumsen...

Hier beginnt "Marta"