AUS für Bio-Kunststoffe Made bei Polymer in der Felkestadt nördlich der B 41 "Vor der Haardt" - Einsichtiger Dr.Gerald Hauf: "Nicht mit Widerstand umsetzbar".

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Foto unten -mach klick: Bad Sobernheim. „Wohnen am Industrie-Park? Nein Danke“, diese Transparente sind in der Stadt zu sehen, seit die Polymer-Voranfrage nach Baugrund nördlich der B 41 im Gespräch ist und sich der Stadtrat nicht klar und deutlich gegen die 25 bis 35 Meter hohen Silos der Firma positionierte. Im Januar 2021 kommt das Aus von Polymer-Chef Dr. Gerald Hauf - zu gering war die Akzeptanz und Volkes Wille. Noch 2020 protestierten Bürger. Warum?

Rückblick: Heidi Kiehlmann und Martin Reinold bilden den Vorstand eines Vereins zur Bürgerinitiative in Gründung; - alle Unterlagen seien eingereicht. „25 Jahre Bad-Titel mit Kureinrichtungen, reiner Luft und mildem Klima in romantischer Umgebung wird auf der ersten Seite des Mitteilungsblattes gefeiert. Aber wo bleibt der Aufschrei der Kurhäuser und der Wald-Wander-Wellness-Region, dort am Einfallstor der Felkestadt solch einen Koffer mit 25 bis 35 Meter hohen Silotürmen hinzusetzen?“, fragen sich beide – die Kurhäuser müssten auf die Barrikaden gehen. Zudem gehe Allgemeinwohl vor Eigeninteresse - und die eine Stimme Mehrheit (vom Stadtbürgermeister) sei für ein derart umstrittenes Projekt in exponierter Lage zu wenig, meinten die zwei, die der Stadtratssitzung beiwohnten.

Von Steinhardt kommend sei Bad Sobernheim das Einfallstor zum Durchatmen einer ganzen Ferienregion mit dem Naturpark Soonwald-Nahe bis zum Nationalpark: „Aber das Schizophrene: Wir bauen uns hier im `Bad` Sobernheim ein emissionsstarkes Industriegebiet hin, was alle Gemeinden tangiert“, wetterte Martin Reinold.  Es sei im Hang weit sichtbar und werde Auswirkungen auf negative Bewertungen der Kurhäuser haben. Schon das jetzige Industriegebiet sei von den Gerüchen, den Lichtemissionen und nachts von der Geräuschkulisse her sehr problematisch, sagte Reinold, zudem werde der LKW-Verkehr stark zunehmen. Der Stadtrat und die SPD argumentiere mit neuen Arbeitsplätzen, andererseits werden in Kur und Tourismus exorbitant viele Stellen gefährdet und den Bach ´runtergehen – zu viel werde verharmlost: „Die genannten Arbeitsplätze sind nicht realistisch – Chemische Industrie und Kunststofffertigung sind hochgradig automatisiert“, sagte die designierte Vorsitzende Heidi Kiehlmann.

Die Frischluftschneise der Stadt werde verbaut, die Temperatur in der Innenstadt steige um mindestens zwei Grad, zudem warne der Deutsche Wetterdienst zunehmend vor Starkregen und Hochwasserereignissen – hier müssten auf der versiegelten Fläche von 35 Hektar 51 Millionen Liter Wasser abfließen, obwohl die Stadt schon jetzt Probleme mit der Kanalisation habe und in der Staudernheimer Straße und Kehrweiden Rückstauventile verbaut sind. Für die neue Zufahrtsstraße sei ein Lärmschutzwall zu bauen, „der dann den  Verkehr der B 41 wie ein Lautsprecher nicht nur „Vor der Haardt“, im Anspacher Weg, sondern auch „Auf Löhborn“ in Richtung Stadt reflektiere. Ein Dutzend Bürger trifft sich seit Wochen virtuell-regelmäßig in einer Zoom-Telefon-Konferenz und bestimmte einstimmig das Vorstandsduo. „Wir werden Anzeigen schalten, wir werden Banner aufhängen und Flyer in alle Haushalte bringen – der Klotz belastet, ist eine Nummer zu groß und wird nur gravierende negative  Auswirkungen haben. So etwas darf in Coronazeiten nicht herunterspielt werden“, echauffierten sich die Vorstandssprecher. Der Stadtrat Simmern habe dies mit seiner Absage an Polymer richtig erkannt, sagen sie. (Wir berichteten in unserer Samstagsausgabe).

ZUR Person: Die 38-jährige Heidi Kiehlmann ist beruflich als Geschäftsführerin in der internen Revision tätig und prüft in Oestrich-Winkel Prozesse von internationalen Unternehmen: „Ich hätte mir nie ein Haus an einem Industriegebiet gekauft“, sagt sie und wohnt quasi als Neubürgerin seit zwei Jahren „Vor der Haardt“. Zurückgekehrt als Rentner ist der frühere Werbeleiter eines zwölfköpfigen Teams aus dem Stuttgarter Raum, Martin Reinold. Sein Urgroßvater gleichen Namens war Weinhändler und Brennereibesitzer in der Innenstadt – im Tausch mit der Stadt wurde das Haus vor der Haardt angeboten und ist seit 50 Jahren im Familienbesitz. Selbst hat er einen großen Wall aufgeschüttelt, ohne den ein Gespräch im Freien wegen dem Verkehr der nahen B 41 nicht möglich wäre. Auch er sagt augenzwinkernd, den Bürgern in Simmern gehe es besser, weil sich bekanntlich der Stadtrat gegen eine Polymer-Ansiedlung ausgesprochen habe.

Zu den Fotos: Das kämpfende Vorstandsduo zeigt das Gebiet, wo die neue Firma "SoBiCo GmbH" expandieren wollte. Solche Silos wird es an der B 41, dem Einfallstor der mittleren Nahe nicht geben.