Jan Hey: In 20 Berufsjahren auf der Karriereleiter viel erlebt. Chapeau!

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Fotos unten- txtende: Nahe-Glan-Region Vom Gründer der Meddersheimer Jugendfeuerwehr und früherem Wehrführer der Weinbaugemeinde und Fleischermeister mit Diplom über den selbstständigen Franchise-Nehmer eines Fleischerei-Shops der Firma Zeiss im Real-Markt Bad Kreuznach, Handelsvertreter, Kompressor-Verkäufer über den Dienstleister rund ums Haus bis zum Vlexx-Lokomotivführer. Welch ein berufliches Spektrum auf der Karriereleiter in weniger als 20 Berufsjahren. Chapeau Jan Hey!

Ein exemplarisches Beispiel an Weihnachten 2018, was in der Arbeitswelt los ist, wie der Wandel grassiert, und warum der viel gelobte Meisterbrief und das Handwerk keinen goldenen Boden mehr haben. Der Hundsbacher Fleischermeister mit Diplom Jan Hey betreibt im Nebenerwerb einen Dienstleistungsbetrieb mit Haushaltsauflösung und fährt seit Februar 2015, in kürze also im fünften Jahr Vlexx-Zug. Dem gebürtigen Meddersheimer, Mittdreißiger, der einst örtlicher Wehrführer war und eine 15-köpfige Jugendwehr aufbaute, lagen über ein Dutzend Absagen wie „sie sind für die Tätigkeit überqualifiziert…“ vor, bevor er über das Arbeitsamt / die Allgemeinheit für Vlexx ausgebildet wurde. Grund für die Fortbildungsmaßnahme: Fleischer und Praktiker sterben aus – Selbständige und Gewerbetreibende auch, Tariflöhne werden selten im LEH gezahlt, und aus einer 40-Stunden Woche wird schnell eine 55-Stunden Woche. Laut Anfrage der Linken im Arbeitsministerium bleiben 1,1 Milliarden Überstunden unbezahlt. Modernes „Zeitmanagement“ heute wozu der Volksmund Ausbeutung sagt. Nie hat Jan Hey sich trotz exzellenter Referenzen, Einser-Zeugnisse oder Empfehlungen auf allen bisherigen zwölf Arbeitsstellen verbessert. Mit Zeugnissen könne er sich den Hintern abputzen, Leistung lohnt sich nicht, sagen ihm seine Kumpels. Hallo?

Jetzt ist Jan Hey „Triebfahrzeugführer“ in einem Unternehmen, das täglich negativ in den Schlagzeilen und Zeitungen steht. Welch ein Wandel, was muss ein Mensch bereit sein, sich zu verbiegen und zu leisten! Bäcker, Metzger oder Lokomotivführer - waren das nicht Traumberufe mit „Wow“-Effekt, wofür es sich zu kämpfen und zu leben lohnte, womit „man/frau“, Lieschen Müller oder Otto Normalo, sich identifizierte, zur Arbeit hinrannte, den Hintern hochhob und aufriss, und weit über das geforderte Maß hinaus der Firma zur Reputation verhalf? „Lern Bäcker oder Metzger, gess un getrunk´ wird immer“ – solche Aussagen werden heute ad absurdum geführt. In den drei Kreisen BIR, KH und Rhein-Hunsrück sind zum Stichtag 31.12 2017 in drei Jahrgängen (1.bis 3. Lehrjahr)„nur“ 49 Azubis gemeldet. 20 Fleischer, 29 Verkäuferinnen.

Heute braucht es Regal-Veräumer/Schicht- und Nachtarbeiter, die mit ihrem Einkommen nicht auskommen. In den meisten Dörfern grunzt kein Schwein und kalbt auch keine Kuh mehr. Aus hygienischen Gründen kann kaum mehr im Dorf „die Wutz geschlacht“ werden, ganze Berufsstände verschwinden in der Nostalgie. Die Milch kommt von Lila-Kühen, das Schnitzel aus dem Supermarkt und die Kita-Kittys schwören Stein und Bein, dass Pommes allein schon wegen ihrem Aussehen nichts mit Kartoffeln zu tun haben können. Es gibt trotz boomender Wirtschaft und friedlichen Zeiten viel zu tun - Weihnachten 2018.