Krankenhaus Kirn auf Intensivstation: Warum krankt Gesundheitswesen? Wie verlogen ist die Krankenhauspolitik? Kirn kämpft, andere haben schon verloren!

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Fotos unten- machKlick. Trotz Proteste und Mahnwachen nichts erreicht. Gar nix. Vieles wird vorgegaukelt, die Bürger hinter die Fichten geführt! Zitat: „Die Verlogenheit der Krankenhauspolitik: Wie die Träger bei der Finanzierung kleiner Kliniken alleingelassen werden“ Zitatende. Unter dieser Überschrift beschrieb RZ-Redakteur Christian Kunst unverblümt den schwierigen Spagat zwischen dem jahrzehntelang verfehlten Korsett der Fallpauschale, und das „am Tropf hängen“; - zwischen desaströser Daseinsvorsorge und dem Credo der Gewinnmaximierung. Kleine Krankenhäuser werden mit irrsinnigen Vorschriften gegängelt, Betriebs- und Personalkosten gedeckelt. Das Ausbluten der Krankenhauslandschaft hat System – dem hinter die Fichten geführten machtlosen Bürger stockt das Blut in den Adern, ihm wird angst und bange.

Mit der Ende Februar 2021vom Mainzer Gesundheitsministerium mit heißer Nadel gestrickten und von MP Malu Dreyer und Sabine Bätzing-Lichtenthäler mit großem Hype und Tohuwabohu, hochgelobt-vorgestellten „Zukunftsinitiative Gesundheitsnetzwerke“ (ZUG) sehen Experten nichts Substanzielles. Mehr eine Luftnummer. Wahlkampfgetöse – mehr nicht. Saarländer sagen: „Hauptsach gut gess – mol drüwwer geschwätzt“. Im August 2019 protestierten Hunderte um Ellen und Michael Müller von der Initiative „Rettet das Kirner Krankenhaus“ für den Standort, weil Geld (der zugesagte Sicherstellungsauftrag) fehlte, die Diakonie als Träger in ihren Zwängen „umstrukturieren“, aufgeben wollte. Quasi das Krankenhaus für 1 Euro der Stadt verhökern wollte... Politiker kamen, positionierten, profilierten und solidarisierten sich, allein geht´s ums Geld, um die chronische Unterfinanzierung. Geld ist genug da, es haben nur andere, die sich im System fürstlich bedienen. Im März 2021 wird der Kirner Michael Müller zitiert: „Je öfter ich den ZUG-Projektflyer lese, desto mehr Worthülsen werden klar, die auf Wahlkampf deuten“. Stimmenfang und Resignation pur allerorten: „Ich habe den Eindruck, dass wir uns beim Zug-Projekt im Kreis drehen“, soll VG Bürgermeister Thomas Jung als Zitat gesagt haben. Am Ende werden er, die Stadt und Kommune zur Kasse gebeten, denn es ist wie überall: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, kommunalisiert. Allen ausgeheckten Plänen liegt diese Blaupause zugrunde. Die Landespolitik war nie so schlecht wie heute. Das Transparenzgesetz ist eine Farce.

Der RZ-Autor Cristian Kunst geht in seinem wissenschaftlichen Essay von vornherein auf das zum Scheitern verurteilte „ZUG“-Werk ein. Kirn mit seinen 88 Betten trotz Mindestanforderung von weit über 5000 Einwohnern kann einem leidtun, obwohl im Krankenhausgesetz eine wohnortnahe Versorgung manifestiert ist. Warum ist das Pamphlet nicht das Papier wert? Und vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) aus Vertretern von Krankenkassen, Trägern, Kliniken und Ärzten, Projekt- und Lenkungsgruppen ist eine Bestandsgarantie unumstritten. Nur, wen kümmert das? Auf der Intensivstation unterfinanziert am Tropf hängend zieht sich speziell für das Kirner Diakonie-Krankenhaus die Schlinge zu, weil jeder Sargnägel einschlägt. Kirn geht es so wie dem Klinikstandort Simmern, wo ebenfalls ein gesetzlicher Anspruch auf das Ausgleichen des Defizites besteht – aber das Land (und die Kassen) widerwillig bis gar nicht zahlen. Die Diakonie wurde nach rechtsverbindlicher Aussage auch hier hinter die Fichten geführt.

Die gescheiterte Krankenhauspolitik wird von medialen Schmeichlern schön geredet. Die KV verließ längst das sinkende Schiff. Ohne Sicherstellungszuschlag hat das Kirner Krankenhausmodell mit Schwerpunkt auf Altersmedizin, mehr ambulanten OP´s, einer Vollauslastung der orthopädischen Eingriffe…. keine Chance. Ein guter Ruf als bundesweit anerkanntes Wirbelsäulenzentrum schmilzt wie Butter in der Sonne, andere Väter haben auch schöne Töchter. Doppelt schade, weil in Kirn die Bevölkerung dahintersteht und seit Jahren ein Förderverein wesentliche Nebenkosten trägt und dazu beiträgt, dass die Patienten sich gut aufgehoben fühlen und fühlten. Die Diakonie kann und will solch unbezahlten Service nicht leisten! Übrigens ist dieser Autor im Kirner Krankenhaus 1956 geboren, als die Welt noch i.O. war. 1974 wurde er nach Autounfall im Kirner Krankenhaus „zusammengeflickt“. Die beiden Söhne erblickten im Kirner Krankenhaus das Licht der Welt! Heute „regieren“ Profit, Krankenhauskeime, Corona, und das fleißige Personal hat mit dem Einkommen kein auskommen und wird hinter die Fichten geführt. Ist es nicht so?

Der Status quo und die Disbalance, die schizophrenen Verfehlungen einer grottenschlechten Krankenhauspolitik auf Zuruf ist von der Gewinnmaximierung keinen Jota abgerückt. Nichts, was es zu loben gilt. Daseinsvorsorge? Lobhudelei! Das Gesundheitsnetzwerk (ZUG) oder ein geriatrisches Zentrum („Anita“) ist unverbindlich, weil nach wie vor eklatante Finanzierungslücken zu schließen sind. Hier wurde mit Blick auf die Landtagswählerstimmen in RLP Mitte März 2021 von der Ampelkoalition Zeit gewonnen, den Kirnern den Bauch gepinselt. Sie wurden einmal mehr „hinter die Fichten“ geführt. Die Messer sind gewetzt, nach den Bundestagswahlen wird das Skalpell angesetzt, egal, wer die Wahl gewinnt. Wetten?


Rückblick

Hunderte kamen

August 2019

Proteste