Nußbaumer VfL pflegt trotz Corona das "Hahnabbel die Hahn"- Chapeau!

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Nußbaum. Liebgewonnenes und altüberliefertes Kulturgut, was Jung und Alt in Nußbaum seit Jahrzehnten pflegen, wird auch in diesen närrischen Zeiten weitergetragen. Zwar fällt am Fastnachtsdienstag das von Haus-zu-Haus gehen aus, aber das „Hahnabbeln“ trotzt in einer anderen Form der Corona-Pandemie: Eltern starteten im Vorfeld einen Spendenaufruf, und so konnten gestern am Rosenmontag im Dorfgemeinschaftshaus 45 Überraschungstüten gepackt werden.

Beklebt waren die prall gefüllten Papiertüten mit dem 12-zeiligen Spruch „Hahnabbel die Hahn – die Fassenacht is aan! Gebt mer Aier ore Schbeck, sunschd gehn ich net vun de Deer eweg….“, den sonst immer am Fastnachtsdienstag die Kinder vor der Haustüre beim „hahnabbeln“ aufsagen. Diese Verse stammten aus dem reichen Fundus des Simmertaler Mundartpoeten und Autor Joachim Franzmann; - schließlich sind seine 11-jährigen Enkelkinder Emma und Lina Feuer und Flamme und mittendrin, wenn das Kulturgut weitergetragen und fröhlich Fastnacht gefeiert wird.

Die fünf herrlich kostümierten „Rosenmontagsfrauen“ mit roten Nasen bedauerten den Ausfall der Prunksitzung im Dorfgemeinschaftshaus, und sie waren beim Tütenpacken für die Kids mit Fruchtsaftgetränk und Popcorn, Schokoriegel und Gummibärchen sowie weiteren Süßigkeiten, Luftballons, Wurfmaterial und einer Partytüte mit allerlei Utensilien gut gelaunt. Alle hatten eine frohe Botschaft auf den Lippen: „Die Kinder sollen Abwechslung und Freude haben, die zurückliegenden Monate waren für sie entbehrungsreich und nicht einfach“, sagte Nina Ludwig.

Urlaub genommen über die tollen Tage hatte sich Karin Tullis. Die 38-jährige arrangierte mit ihrem Team vom Gesangverein am Freitagabend erstmals mit dem 16-köpfigen Kinder- und Jugendchor ein Online-Meeting und berichtete dabei von purer Freude und sprudelnden Ideen der Kids. Wie zahlreiche Familien hatte auch Karin Tullius privat in ihrer Familie am Sonntagabend eine Polonaise und ein Mohrenkopfessen arrangiert, „diese jahrzehntelange Hahnabbel-Tradition darf nicht unterbrochen werden“, sagte sie. Augenzwinkernd zitierte Nußbaums Ratsfrau und Ortsbeigeordnete Eva-Maria Schmell poetisch-treffend für diese närrische Zeit ein humorvoll-nachdenkliches Gedicht, das Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben wird: „Alle Menschen, welche leben, alle, wie sie sich auch geben, tragen Masken bis ins Grab. Nur in tollen Faschingstagen, wenn sie Narrenmasken tragen, da nur fällt die Maske ab“. Aber in diesen kuriosen Tagen sei eben alles anders, sagte sie. Die VfL-Schriftführerin Marion Gräff berichtete freudestrahlend, dass sich alle Familien beteiligten und so der lobenswerte Zusammenhalt im ganzen Dorf gestärkt werde. Der VfL ist seit Jahrzehnten Ausrichter der Kinder-Fassenacht: „Wir unterstützen zudem die heimische Geschäftswelt und den VfL, dem im eigenen Clubheim alle Einnahmen wegbrechen“, sagte sie. Alle Haushalte in dem 480-Seelen-Ort hätten sich an der „Hahnabbel“-Tüten Aktion für die Kinder im Alter bis 13 Jahre beteiligt. 45 wurden geordert und stehen für die Kinder bereit; - für den heutigen Dienstag wurden außerdem 250 Berliner vorbestellt, berichtete Stephanie Franzmann fröhlich und stolz und freute sich schon aufs nächste Jahr, „wenn wir alle wieder am Fastnachtsdienstag um die Häuser stromern und das Hahnabbeln pflegen“. Dank zollten die Frauen der Ortsgemeinde; - der Erlös kommt dem gut 250 Mitglieder zählenden Sportverein VfL und dem Kinderspielplatz am Harder Weg zugute. Bernd Hey.

>>>Am Fastnachtsdienstag 2021 wurden die vorbestellten Kreppel und die „Hahnabbel-di-Hahn“ Fastnachtstüten in der Zeit von 13 bis 16 Uhr unter Wahrung der Coronaregeln am Grünen Haus mitten im Ort ausgegeben. „Kostümierung ist erwünscht“, schrieb das Team im Vorfeld auf ihren Wurfzetteln.

Zum Foto: Helau im Nußbaumer Gemeindehaus! Kinder und ihre Eltern unter Federführung des VfL packten gestern prallvolle Überraschungstüten. Sie symbolisieren das uralte Kulturgut des „Hahnabbelns“. Das um die Häuser ziehen hat am Fastnachtsdienstag im Ort seit Jahrzehnten Tradition, und daran wird auch in diesem Jahr erinnert. (Zusammenstehende Kinder sind Geschwister).