Handwerk im Wandel - Nix mehr: Dick, dumm, fettig & blutverschmiert...

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Mach unten FotoKlick. Von wegen: Dick, dumm, fettig und blutverschmiert…von grobschlächtigen Metzgern berichtete www.heylive.de (hier -–rechte Laufleiste---nachzulesen im Archiv) über den Niedergang der Metzger nach BSE 1999, Billighackfleisch aus England und „Geiz ist geil“ Mentalität; - aber wie geht es weiter mit dem Apotheker, dem Uhrmacher, Raumausstatter, Friseur, Brauer oder Bäcker, Kunst und/oder filigranen Künstlern? Fachkräftemangel und aussterbende Familienbetriebe mangels Nachfolge, eine überbordende Bürokratie, Brexit und Corona sorgen in Zeiten von Blasen und Kryptowährung in der zwanzig-zwanziger Dekade mit ganz vielen Unbekannten für Verlierer. Lost. Vieles wird nach Corona anders sein, ein Relaunch nicht reichen.

Seit alter Zeit bis heute sind die Zeitungsleute (heute Paparazzi) oder Überbringer von schlechten Nachrichten und Hiobsbotschaften niedrigen Standes. Investigativer Journalismus stirbt aus – seichter Staatsfunk sagen die einen, Lügenpresse andere. Zu Unrecht. Ebenso wie der Metzger oder der Katzhoff  sind diese  beiden Zünfte, wie erwähnt, niedrigen Standes. Vergleiche dazu den Wasenmeister, Abdecker, oder den „Schinder“ in Zeiten des Schinderhannes sowie heutzutage die unfreie Presse mit inhaftierten Journalisten, die in Hongkong, in China und Rußland, aber auch bei uns um die Ecke in Ungarn oder in Belarus bei Lukaschenko niedergeprügelt und eingesperrt werden.

Insgesamt haben sich die Berufsstände verändert, viele alte Zünfte sterben aus. Mehrfach in www.heylive.de dokumentiert. Ein Beispiel: Die Fertigbackmischung als solche ist eine Erfindung aus England - 1953 brachten Kaethe und Kurt Thiele in Halle an der Saale Fertiggewürze und ihr Tortenmehl aus Mehl, Zucker, Stärk, Salz und Aromen auf den Markt – zwischenzeitlich zwangsverstaatlicht und zum „VEB Backmehlwerk Halle“ umfirmiert erfolgte 1991 die Reprivatisierung. Was Kathi im Osten in Halle, das ist Dr. Oetker im Westen. Dr. Oetker startete erst 1972 mit der Produktion von Backmischungen. Wieso das Beispiel Backmischungen? Sie symbolisieren den  „zeitgeist“, denn: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Qualitativ okay bis hochwertig, das Sortiment von Brot bis Muffins boomt, wird ständig neu bewertet und ausgebaut. Backmischungen stehen symbolisch für die industrielle Fertigung, den Niedergang und die Insolvenz vieler familiengeführter Cafe´s, Konditoreien und Bäckereien.

Auch die Metzger sind ausgestorben –„Dick dumm, fett und blutverschmiert" haftete dem Schlachter und Fleischhauer lange an. So steht es in www.Heylive.de. Dagegen verwehrte sich der Pfälzische Landesinnungsmeister und Bundeslehrlingswart Heinz Werner Süss in einem Radio-Interview, als der Landes-Leistungswettbewerb im November 2010 anstand. Vom Fleischer und Fleischerei- VerkäuferInnen werde einiges verlangt: So müssen sie nicht nur gut rechnen können und über gesetzliche Bestimmungen hinaus über Fachwissen verfügen, Angebots-Plakate schreiben und entwerfen können, Platten appetitlich anrichten können………Leider werden es immer weniger. Heute sieht man auf den ersten Blick, wer was gelernt hat…. Mit der Nivellierung der Handwerksordnung 2004 stieg die Zahl der Berufe ohne Meisterpflicht auf 53 Handwerke, so wurden subventionierte ICH-AG´s, Ein-Euro-Jobs, Hartz IV Empfänger und Arbeitslose mit Handwerksmeistern gleichgestellt - konnten eine Firma anmelden. Kein Witz, die Auswirkungen spürt man bis heute und 2021 sind immer weniger bereit, eine Grund- oder Berufsausbildung zu absolvieren. Immer mehr Stundensätze oder Architektenleistungen sind frei verhandelbar, unterliegen wie auf einem orientalischen Basar, keiner Gebührenordnung mehr.

Schon Ende der 1990-er Jahre klagte der "stern" in einem aufsehenerregenden Nachruf auf den Fleischer: „Meiner war der Beste!". An die unrühmlichen und menschenverachtenden Machenschaften und Dumpinglöhne unter dem Existenzminimum der Tönnies, Wiesenhofs und Co. sei nur leidig und mit Grauen erinnert.  Bäcker- und Fleischermeister, ganz Berufsstände sind vom Aussterben bedroht und degradieren zum billigen Bandarbeiter oder Industriehelfer. Wie beispielsweise Jan Hey zum Vlexx-Triebkopfführer – siehe Bericht anbei. Mach Klick.

Als in den 1970er Jahren der Niedergang von Tausenden Lederarbeitern und Portefeuiller in der Lederstadt Kirn an der Nahe in vollem Gange war, konnte niemand verstehen, wie ein hochwertiger Portemonnaie billiger aus Fernost kam, als hier das Rohleder kostete. Keine 60 Jahre her! Da wurde noch im Eichen-Niederwald Loh geerntet und fanden viele im Kirner Land beim „Loh machen“ Lohn und Brot. Heute gibt es wieder kleine Geschäfte, „Unverpackt“ und Bio-Läden, Genuss-Ecken. Der Fleischer kann ohne Veredelung, Fertiggerichte oder Partyservice frei Haus ebenso wenig bestehen wie der Pizzabäcker, der zum Allrounder wird. Wenn irgendwo in einer Stadt um Mitternacht jemand geöffnet hat, ist es McD oder ein Selbstständiger, auf den der alteingesessene Deutsche in der Regel schimpft, der ihn aber nicht versteht.

Das alte, traditionelle Bäckerhandwerk firmiert zunehmend als Aromabäcker mit allen möglichen Gewürzen und Duft-Nuancen, es gibt zunehmend weit jenseits des Reinheitsgebotes von 1516 die selbstgebrauten kleineren Gebinde der Craft-Biere. Süßbier oder Malzbier gibt es seit alters her, heute ist Alkoholfrei der Renner und in Coronazeiten darbt wegen fehlender Veranstaltungen und zunehmender Konkurrenz auch der Bierbrauer. Diese Zahl wächst kontinuierlich. 2021 stellen 1550 Braustätten 8.000 Sorten her. 1.000 Liter brauen seit 2018 im DenkmalZ Bad Sobernheim die Lauschieder für ihre Kerb, ein Lauschieder Musikantenbräu. Und doch: 2020 im Lockdown-Corona-Jahr wurden 5,5 Millionen Hektoliter Bier weniger gebraut – und das ist 100 mal !!! soviel, wie die Kirner Brauerei mit ihren 10.000 Kirner-Bierclub-Followern produziert. Der Absatz erfordert neue Wege, Strategien und neue Events, will er Amazon & Co. paroli bieten. Lobend zu erwähnen sind kulinarische Events: Jahrzehntelang boomten auf der Kirner Kyrburg Whisky-Event-Tastings mit mystischer Wanderung ins Trübenbachtal. Im Kirner Land gibt es die Bier-und Backesgenusswanderung via Schloß Wartenstein, in Limbach die Gemarkungswanderung. Neben dem Biertasting mit über 80 Sorten in der VFL-Halle in Simmertal gibt es seit 2010 die Simmertaler FWG-Wurst-Wanderung zu sechs Jausestationen mit Wurschtsupp und Gegrilltem, Wildwurst, Weißwurst, Spießen und Snacks. Irgendwie geht es immer weiter…

Fotos aus dem www.heylive.de Archiv zum Text.


Metzger: Meiner war der Beste! ...wenn auch:

blutverschmiert

Portrait & Vita: Jan Hey.

Brauer mit Sorgen

Wurstwanderung: Hochprozentiges

Uhrmacher Görgen: Aus

Trotzdem: Guten Appetit