Katharina Rohde: Junge Försterin geht in Forstrevier Kirn auf die Pirsch

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Kirner-Land. Im Kirner Naherholungsgebiet Dhauner Wald nahe dem Haus Maria Königin treffen wir die neue Revierleiterin und Berufseinsteigerin Katharina Rohde. Die 29-Jährige ist eine äußerst taffe, selbstbewusste und charmante junge Frau mit höflichen Umgangsformen, die mit ihrem femininen Wesen und Rot-lackierten Fingernägel jede Hochglanzbroschüre von „Wald und Hund“, „Feld & Wald“ oder auserlesene Foto-Kalender des Deutschen Jagdverbandes schmücken würde. Gerade hier im Dhauner Wald beginnt Kopfkino: Hier war einst heimlicher Treff für Verliebte, und zu allen Zeiten fahren ständig Jogger und Wanderer an. Da wird die volkswirtschaftliche Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes überdeutlich.

Im April 2020 trat Katharina Rohde die Nachfolge von Vorgänger Johannes Gödert an, ebenfalls einem gleichaltrigen Youngster, der 2019 mit der Hennweiler Lützelsoon-Grundschule und in Kooperation mit dem Naturpark Soonwald-Nahe im Gemeindewald auf einer sturmgeschädigten Kalamitätsfläche im „Jüngling“ 200 Tannenbäumchen pflanzte, und der nach Saarburg wechselte.

„Es bedeutet mir sehr viel, nach einer Pensionswelle relativ früh in so jungen Jahren das eigene Revier leiten zu dürfen. Ein Traum!“, freute sie sich und man sieht ihr die Freiheit an, gestalten und sich selbst verwirklichen zu dürfen. Im Studium habe sie sich das insgeheim gewünscht. Jetzt ist sie in Kirn angekommen; - die Verantwortung sei eine große Herausforderung.  „Forstpolitisch möchte ich die lehrreiche Zeit im Mainzer Ministerium in der obersten Landesbehörde, den Weitblick, und über den Tellerrand hinaus zu schauen, nicht missen“, sinnierte sie nachdenklich. Waldwirtschaft werde langfristig über Generationen hinaus gedacht: „Der Beruf der Revierleiterin ist abwechslungsreich, im Zentrum meiner Arbeit steht die Kommunikation mit den Waldbesitzenden“. Nach dem Wegfall der Fichte durch Borkenkäferbefall als schnellwachsender „Brotbaum“ müssen der Waldumbau und die wirtschaftliche Rentabilität gewahrt bleiben und mittelfristig für die Gemeinden Ersatz angepflanzt werden, dachte sie laut nach. Insgesamt werden im Forstrevier Kirn jährlich etwa 5.000 m³ Holz eingeschlagen, die Stadt Kirn mit etwa 400 Hektar und starken Beständen ist nach Hennweiler mit 300 Hektar Wald größte Kommune im Forstrevier: „Es tut mir weh, wenn ich die vielen toten Fichten seh` und entnehmen muss“, - alle Orte seien betroffen und da schwang ganz viel Nachdenklichkeit mit. Auf den freien Flächen macht sich dann zu sehr Begleitvegetation wie Ginster und Brombeere breit. Corona machte ihr bei Waldbegehungen und Antrittsbesuchen in den Gemeinden einen Strich durch die Rechnung: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ich arbeite mich gründlich ein“, sagte sie. In Bärenbach, in Hennweiler und im Kirner Stadtrat stellte sie sich vor – insgesamt sei sie sehr positiv aufgenommen worden, die Kollegen seien jederzeit sehr hilfsbereit.

Wespe heißt ihr dreijähriger Kurzhaardeckel und ständiger Begleiter, beim Jagen wird die Hündin mit ihrer Jagdgebrauchshundeprüfung zum Stöbern und Verbellen eingesetzt, damit die Schützen das Wild erlegen können. Gerade die eher nachtaktiven Schwarzkittel müssten vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Drückjagden bejagt und reduziert werden. „Ja, es wurden in den Kreisen KH und BIR Vorkehrungen getroffen, Bergesets sind vorhanden, wenn Kadaver gefunden werden“, informierte sie auf Nachfrage. Die fachliche Beratung und die Nähe zu den Waldbesitzern liege ihr sehr am Herzen: „Für den Aufbau klimastabiler Wälder gibt es keine Blaupause. Eine Mischung aus einheimischen Laub- und Nadelbäumen wie Eiche und Tanne, mit ergänzenden Baumarten wie der Esskastanie oder Baumhasel, ist das beste Rezept“, philosophierte sie über ihre Strategie und nannte auch die Zeder. Und: „Der Stellenwert des Ökosystems Wald ist in Zeiten, in denen der Klimawandel für uns alle spürbar wird, größer denn je. Eine Investition in den Wald ist aktiver Klimaschutz für folgende Generationen“.

IM Fokus: Revierleiterin Katharina Rohde: Die 29-jährige absolvierte ihr Forststudium und den Bachelor Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement an der FH in Erfurt und ist gebürtig in Celle bei Hannover. Das Anwärterjahr führte sie nach Neuhäusel in den Westerwald in die VG Montabaur. Danach wurde sie von Landesforsten übernommen, erwarb sich weiteres Rüstzeug drei Monate lang als Gebietsförsterin in Gerolstein in der Eifel, quasi als „Springerin“. Im Januar 2018 wechselte Katharina Rohde in die Forstabteilung ins rheinland-pfälzische Umweltministerium Mainz. Hier war sie im Referat für Waldentwicklung und Schutzgebiete in mehreren Arbeitsgruppen tätig, wo die Trockenschäden, Windwurf und die Borkenkäfersituation oder Naturschutzprojekte wie der Bienwald im Fokus standen. Im April 2019 kam sie ins Forstamt Bad Sobernheim und übernahm das Forstrevier Kirn mit Gesamtwaldfläche über 2.500 Hektar in den neun Gemeinden Schneppenbach, Bruschied, Hennweiler, Oberhausen, Heinzenberg, Kirn, Meckenbach, Heimweiler und Bärenbach.  Katharina Rohde wohnt seit Jahren privat in Nahbollenbach und hat den „symphytischen Menschenschlag, Land und Leute kennen und schätzen gelernt“, sagt sie. Jagen und Tennisspielen auf dem Kirner Loh zählt sie zu ihren Hobbys.