Merxheim: Kunst in der Kirche unterm Kreuz - bleibt zeitlos!

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Fotos Textende anklicken: Merxheim. Kunst wird im Ort groß geschrieben, aber: Es gebe in diesen Tagen fürwahr Wichtiges als die mit viel Liebe und Akribie von Anna-Kathrin Klages, Czaja Braatz und Ottmar Zimmermann vorbereitete Ausstellung „Kunst trifft Kirche“. Sie hätte die Gottesdienste in der Fastenzeit und insbesondere an Ostern in der evangelischen Merxheimer Kirche als Veranstaltungsort schmücken sollen und fiel bekanntlich wegen der außergewöhnlichen Coronakrise namens Sars-CoV-2 aus. Die beiden Pfarrer der Kirchengemeinde „Mittlere Nahe“ Jörg Ruttloff und Hansjörg Biegel seien „Fürsprecher, Feuer und Flamme gewesen“, berichtete Zimmermann – Kantor Hendrik Ritter hätte bei der Ausstellungseröffnung die Orgel gespielt und Herbert Geiss die Laudatio gehalten. Aber nun? „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – das Kernthema unter dem Kreuz mit Kunst in der Kirche ist zeitlos und wird nachgezogen, denn gerade die kleine, zurückgesetzte unaufdringliche Merxheimer Kirche hat für derlei Präsentation Ausstrahlung und Flair“, loben die Künstler unisono.

Die 82-jährige Anna-Kathrin Klages aus Haan nahe Düsseldorf und mit Zweitwohnsitz in Merxheim ist ebenfalls mit von der Partie - und die gebürtige Düsseldorferin Czaja Braatz lebt als hauptberufliche Küsterin mit ihrem Mann in Mönchengladbach und betreibt in Becherbach bei Kirn seit fünf Jahren in „Matze-Wöllsteins“ Haus vis-a-vis der dortigen Kirche ein Atelier. Zwei sehenswerte Werkschauen waren bereits in der freistehenden katholischen Kirche Maria Himmelfahrt mit seinem weithin sichtbaren Alleinstellungsmerkmal als Backsteinbau zu sehen. Beide wurden dort 2018 („Fragilitas“) und 2019 („Im Zeichen von Kreuz+Buch“) von weitgereisten Künstlern aus ganz Deutschland als ein wahres Highlight und Eyecatcher der Region zu einem Kulturtempel erhoben.

„Häutungen“ stellte die 59-Jährige aus. Häutungen? - welche Assoziation steckt hinter derlei Kunst, wenn Arbeiten aus Baumwollstoff überdimensionierten Hemden oder Tierfellen ähneln? „Schlangen häuten sich, beispielsweise, und nur in dieser Zeit, wo sie absolut wehrlos oder ausgeliefert sind, können sie wachsen“, erzählt Czaja Braatz. Wenn es uns Menschen gut gehe, entwickelten wir uns nicht unbedingt weiter und seien träge – aber sobald Krankheit, Tod oder etwas gravierend Einschneidendes passiert, „da entfalten wir uns, da treibt uns etwas an“, sinnierte sie, und insofern passe dieses sichtbar-zugängliche Kunstkollektiv in diese Zeit. „Bei uns am Niederrhein im Schwalmtal und im Kreis Viersen liegen momentan die Nerven blank – viele sind am Ende und andere uneinsichtig“, berichtete Czaja Braatz und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass bald wieder Normalität einkehrt, alles so schnell vorbeigeht, wie es gekommen ist. Die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt, sagt sie.

Die Dübel für das zweite Kunstwerk hat der 62-jährige gebürtige Waldböckelheimer Ottmar Zimmermann schon gesetzt: Ein Tänzer vor einem imaginären Kreuz suggeriert je nach Perspektive und Blickwinkel Jesus am Kreuz. In seiner Werkstatt als Atelier riecht es nach Holz und frischer Farbe, ein Ofen ist ein „Gehaichnis“ und sorgt für wohlige Wärme. Zusätzlich hat seine Kollegin eine naturbelassene Wurzel, die ebenfalls dem Heiland am Kreuz ähnelt - Sinnbild für den Karfreitag. Die Passionszeit und Ostern mit dem übergeordneten Thema Erneuerung und Wandel, Wiedergeburt und Frühlingserwachen der Natur sei geradezu für dieses österliche Arbeitsthema „Kunst trifft Kirche“ prädestiniert gewesen.

Die Künstler kennen und schätzen sich untereinander, seit die Renovierung und Restaurierung alter Häuser in der Region ihr gemeinsames Hobby und Metier ist, erzählt Ottmar Zimmermann der im dreijährigen Zyklus zu drei Merxheimer Kunstmärkten in die Großstraße 12 oder zu Hoffesten einlud.


Kunst aktuell 2020

...3.ten Kunstausstellung

2019 in Merxheim.