Osternacht in Becherbach -Faszination, Botschaft & Mahnung

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Becherbach. Vor 40 Jahren wurde in der evangelischen Kirche in Becherbach mit dem Pfarrerehepaar Mechthild und Friedrich Mayer erstmals die Osternacht geradezu zelebriert  und damals Rebecca Schneider aus Becherbach und Andrea Huck aus Heimweiler getauft. Denn die Taufe gehört zu Ostern wie die Krippe zu Weihnachten; - die jüngste Osternachtfeier im zweijährigen Turnus mit Abendmahl war von der Kirchengemeinde, dem Presbyterium, Chor und dem 14-köpfigen Posaunenchor um Stefan Hausmann ganz stark inszeniert – Zimbelstern und das Kerzenlicht verliehen Glanz und österliche Freude.

Ein Lektoren-Quintett um Pfarrer Friedrich Mayer mit Sigrid Caesar, Tanja Müller, Rita Huck, Alisa Conrad und Christopher Huck stimmte ein, nachdem das Osterlicht zum Altar gebracht wurde. Sie lasen aus der Schöpfungsgeschichte, als Gott sah, dass das Licht gut war und Tag und Nacht erschuf. Weitere Erzählungen aus dem zweiten Buch Mose aus dem Alten Testament, erzählten, wie Gott durch die Hand Moses das Meer teilte und die verfolgten Israeliten vor den Ägyptern rettete. „Unsere Gedanken gehen weit zurück, ganz weit zum Geheimnis des Lebens“, als in der alten, frühen Kirche der Blick auf das Wesentliche gerichtet war. Die Fastenzeit vor Ostern diente zur Vorbereitung auf die Taufe. Ostern und die Auferstehung Christi sei der große Tauftag gewesen, Täuflinge trugen eine ganze Woche lang bis zum Weißen Sonntag ihr weißes Taufkleid, erläuterte der Pfarrer.

Mit der Auferstehung am Ostermorgen, „als der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, beginnt das Präludium einer Zeitenwende und einer völlig neuen Ordnung“ erläuterte in bildhafter Predigt Pfarrer Friedrich Mayer. Triumphierender Jubel und österlicher Lobpreis waren allgegenwärtig. „Und warum sucht ihr den Lebenden unter den Toten?“, zitierte er provokant in seiner Predigt Bibelpassagen und nannte zahlreiche Beispiele: Botschaft der Auferstehung sei, dass „der Mensch mehr ist, als seine  Hülle“, das Weizenkorn muss in die Erde und wenn es stirbt, bringe es als Saat wie die Kartoffel vielfache Frucht und Segen - auch die Schlange oder die Raupe häuteten sich in der Metamorphose. Warum brauchen wir psychosomatische Kliniken? Auch das Innere, die Seele brauche Pflege: „Wir müssen uns entsinnen, wie der Mensch wieder im Einklang mit der Natur leben kann – wir sind Teil eines großen Ganzen. Wenn weiterhin die Blätter verdorren, und wenn die Insekten und fleißigen blütenbestäubenden Bienen an Pestiziden sterben, steht auch die Erde am Abgrund“. Seine Predigt als Osterbotschaft war ein aufrüttelndes Fanal für die Schöpfung ohne Wenn und Aber. Merkwürdig und auffallend sei, dass Wissenschaftler ratlos sind und warnen, Physiker wie Carl Friedrich von Weizäcker zum Philosophen werden, und der Atomphysiker und Geisteswissenschaftler Werner Heisenberg am Ende seiner Forschung und Schaffens nur voller Ehrfurcht von Gott spreche. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber appelliere daran, dass wir nur Partner der Natur von seelischer Gemeinschaft und fairer Teilhabe sind. „Und wer wie Jesus den Schlüssel zum Tod und zur Hölle hat, hält auch den Schlüssel zum Leben in Händen“ zog er daraus die Quintessenz.

In die Fürbitten eingeschlossen waren alle im Exil lebenden, die Hutu und Tutsi in der Partnergemeinde in Ruanda, benachteiligte, unterdrückte und verfolgte Menschen, die auf der Flucht sind. Der Appell richtete sich an die Regierenden, ihre Verantwortung und Besonnenheit und dem eindringlichen Wunsch nach Frieden und Menschlichkeit, Hoffnung und Zuversicht und sich nicht in Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit zu verlieren.

Ostern ist neben Pfingsten das Älteste und es ist das höchste Fest der Christenheit. Seine Wurzeln liegen im jüdischen Passah (Pessach)-Fest. Das deutsche Wort „Ostern“ leitet sich vom indogermanischen Wort für „Morgenröte“ ab. Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten. Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird, was nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätesten am 25. April stattfindet. Aufgrund des späten Termins in diesem Jahr, einem runden Vollmond und der Sommerzeit war es nicht mehr so finster, und jene besagte „Morgenröte“ war weit fortgeschritten – es wurde hell.

Mittlerweile ist es in vielen Kirchengemeinden liebgewordene Tradition, gemeinsam früh am Morgen die Osternacht zu feiern; - in Becherbach schloss sich dem wichtigsten und ältesten Christenfest zum Ende der Fastenzeit ein gemeinsames Frühstück an, wo die Tische in der Brücke voll besetzt und einladend reich gedeckt waren. Umarmungen und frohe Osterglückwünsche wie in einer großen Familie waren selbstverständlich und der Geselligkeit förderlich.