Mein Oster-Kommentar: In eigener Sache.... Wer nicht wirbt, stirbt!

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Aus aktuellem Anlass: Solche Meldungen wie das Foto „Hinweise in eigener Sache“ sind gravierende Verwerfungen, schlechte Nachrichten bis hin zum Super-GAU bei Printmedien und stimmen mich sehr traurig, zeigen sie doch, wie ohne Not ein weiteres Medium „den Bach runtergeht“. Auch wenn es sich, wie in diesem Fall (Foto), „nur“ um ein Reklameblättchen handelt, das für umme, für relativ wenig Geld für Inserate oder Annoncen, gratis, umsonst, kostenlos, in alle Haushalte kam. Sozusagen als ein Couvert, eine Brieftasche, mitfinanziert von der Reklamewirtschaft. Ist das nicht Schade? Beleben nicht Konkurrenz und Vielfalt das Geschäft und den Wettbewerb? Umso schlimmer, weil viele liebgewonnene und vertraute Orientierungen für ältere Bürger verloren gehen – wenn die Blättchen kommen und diese in Geiz-ist-Geil-Zeiten nach Schnäppchen durchforstet werden? Stell Dir vor, es ist Ostermarkt oder Frühlingserwachen und niemand außer Aussteller und Angehörigen gehen hin, weil die Zeitungsleser-Klientel fehlt und die mobilen Facebook, Instagram oder Twitter-Nutzer im Internet bestellt haben!

„Wer nicht wirbt, stirbt“, lernte ich „früher“, als ich am 12.10. 1976 in Frankfurt meine Meisterprüfung ablegte und erste Zeitungsartikel schrieb. „Ein Meister weiß alles“ wurde einem damals Selbstvertrauen, Mut zum Handeln und anpacken geradezu eingeimpft. Schon damals gab es ganz kluge Zeitgenossen und Superschlaue, die sparen wollten und Henry Ford zitierten: „Die Hälfte meiner Werbungskosten ist rausgeworfenes Geld?“ – aber welche Hälfte…

Und genau darum erhält jeder Haushalt mehrmals die Woche über ein Kilogramm Reklame-Prospekte? Jeder Haushalt. Trotz WhatsApp und Co. Weil jedes Unternehmen, jeder Discounter auf genau diese Hälfte setzt, die ihm zum Überleben reicht! Mittlerweile werben und inserieren Ärzte, Anwälte, Apotheker und Arbeitsämter in Amtsblättchen und Anzeigenblätter - das war „früher“ tabu, das gab es nicht. Standesehre! Heute unterschreiben tausende Schwestern, dass sie extrem ausgebeutet – und die Patienten „blutig“ entlassen werden – verkehrte Welt.

Deshalb kann es in der darniederliegenden, darbenden, struktur- und finanzschwachen mittleren Nahe-Region um Kirn und Bad Sobernheim nur eine Aufrüstung, eine extreme Kundenansprache und Auflistung dessen geben, wann, was, wo und weshalb in der Region was läuft und angesagt ist. Waldböckelheim rüstet sich mit einem Einkaufszentrum, Bad Sobernheim erstarrt - schaut zu wie das Kaninchen vor der Schlange! Die verantwortlichen Pfennigfuchser dürfen sich nicht hinter ihren Ausreden, Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram und Co. verstecken und abtauchen. Sie seien kostengünstige Allheilmittel. Nein. Ich erhebe Einspruch, Euer Ehren. Braucht es dazu eine Werbegemeinschaft? Wenn jeder sein eigenes Süppchen in Facebook kocht und nicht über den Kirchturm schaut. Ein heikles Thema. Und wenn hiesige Werbegemeinschaften Angst vor der eigenen Courage und der euDSGVO haben, ihre Seiten mit „Fotolia“ oder ganz schwachen Symbolbildern, wildfremden Menschen, mit Blumen von hinten, oder leblosen Hausfassaden „schmücken“, ist dies meiner Ansicht nach ein Armutszeugnis hoch Zehn im Quadrat! Folge: Die Mitglieder finden sich nicht wieder, versinken in der Anonymität und werden abgängig. Nix ist eben nix.

Das beste positive Beispiel als Gegenteil ist der „Blickpunkt“, das Reklameblättchen und die Hausmarke der Werbegemeinschaft aus Meisenheim mit 24 bis 36 Seiten, mehreren Ausgaben im Jahr, wo Betriebe und Firmen vorgestellt werden. Wo auf Jubiläen, News, Neuheiten und Neuigkeiten, Schnäppchen und Angebote hingewiesen wird, und wo man im Gespräch bleibt und Miteinander redet, sich wertschätzt und das „Mir san mir“- Feeling als elementares Grundgerüst von über 100 Selbständigen! Mitgliedsbetrieben am Glan gelebt wird. Tenor: An den nächsten Hecken, wachsen die besten Stecken! Und: Müssen in dem kleineren Meisenheim die Betriebe und Unternehmer nicht auch rechnen, etwas „unter-nehmen“, Selbstständige „selbst & ständig“ arbeiten, am Ball bleiben? Nur: Da kennt man sich!

Rein zufällig war ich in St.Wendel auf dem Ostermarkt vom 4.bis 7. April 2019, weil meine Frau in der Bosenberg-Klinik in Reha weilt. Die Stadt war vier Tage lang mit Besuchern voll, Busse kamen aus aller Herren Länder. Dort wurden die Gäste reihenweise durch die Gassen geschoben, die Stände „geplündert“, waren ausverkauft, alle vor und hinter der Theke strahlten, ähnlich wie bei überregional-bekannten dortigen Mega-Weihnachtsmärkten. Vorneweg ging mehrmals der Marktmeister, dann auf Stelzen „Hühner“ und „Gockelhahn“, der „Osterhase“ war dabei, und am Ende war das Ordnungsamt Teil der Zeremonie, schwang den Kehrbesen und zog auf einem Handwägelchen die Boxen der Lautsprecher. „Wunderschön – ein optischer Augenschmaus. Das ist Frühlingserwachen pur und weckt alle Lebensgeister – warum ist bei uns gar nix, alles altbacken, kein miteinander?“, echauffierte sich meine Frau. Recht hat sie. Nichts bleibt eben nichts.

Es hakt leider überall, im Tourismus, in der Werbung, der Willkommenskultur, in netten Gesten im Großen wie im Kleinen. Glück im Unglück ist die boomende Konjunktur, die einiges zudeckt. Vielleicht wird ja nach den Kommunalwahlen und mit den Fusionen in Kirn und an Nahe&Glan vieles besser. Es täte der Region, uns allen gut…