Das Loch in der Wand - Kirschrother fetzen sich wie die Kesselflicker!

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CoolGeldFotos UNTEN Textende ANKLICKEN: Kirschroth. Die Theatergruppe Kirschreerer Klänichkäde brachte nach fast vierjähriger Abstinenz die Komödie „Das Loch in der Wand“ auf die Bühnenbretter und wurde am Wochenende bei ihrer Premiere mit wahren Beifallsstürmen und Szenenapplaus gefeiert. Ohne Vorgeplänkel geht’s zur Sache: Von der ersten Minute an ging es zur Freude des restlos begeisterten Publikums übertrieben turbulent zu; - und noch bevor Opa Sebastian (Markus Schlarb) mit Helm und Ohrenschützer und der Kettensäge mit blankem Schwert auf der Schulter die Bauernstube betritt, wurde sein Sohn und Bürgermeister Josef (Benjamin Reidenbach) nach durchzechter Ratssitzungsnacht von seiner Frau Elisabeth (Sonja Nitsch) mit den Worten „Du versoffener Lump!“ unliebsam wach geküsst und knallte samt Stuhl auf die Bühnenbretter. Hoppla – das hat gesessen! Sofort wussten die Zuschauer, wer da die Hosen anhat. Zur Bürgermeisterfamilie zählt Tochter Brigitte, (Lisa Nitsch), die unter dem Kirschrother Motto „Liebe vergeht – Hektar besteht“ unter die Haube gebracht werden soll!

Opa ist schwerhörig. Besser gesagt, er hört, was er will. Dank dem „Loch in der Wand“ hört der Lauscher seine eigene Schand´ und noch viel mehr: Durchgängig und omnipräsent ist die Paraderolle dem Opa samt übertriebener Bauernschläue und Schlitzohrigkeit auf den Leib und die Seele geschrieben – ihm ist nur wohl, wenn er mit Raffinesse etwas anstellen kann. Ein Eimer Wasser „auf kipp“ auf dem Küchenschrank oder den Wellensittich Amadeus in der Waschmaschine gewaschen und in der Mikrowelle getrocknet, sind schon sehr extrem! Opa ist up to date - voll auf Sendung, und wird brillant verkörpert von Markus „Mops“ Schlarb! Übrigens wächst die komplette Laienspielschar über sich hinaus, jeder spielt souverän, textsicher und leidenschaftlich seinen Part und verleiht kokettierend seiner Rolle authentisch Leben. Tuchfühlung mit dem Publikum inklusive – die Akteure kamen mehrfach durch Zuschauerreihen auf die Bühne.

Monatelanger Probenfleiß wird bei diesem teils äußerst aufregenden und brillant inszenierten Bauernschwank mit garantiert blauen Flecken und Blessuren überdeutlich. Gerade im zweiten Akt fliegen Stühle um, küsst der gesamte Gemeinderat, wie lückenlos im Spiel der Hierarchie folgend, „..der Bürgermeister zuerst!“, den Küchenboden. Wie im richtigen Leben geht es um Machtpolitik und Bauland, in diesem Schauspiel um eine wertlose Wiese, die für alle Beteiligten erst dann interessant wird, weil ihn der hochintelligente und expandierende Industrielle Willibald vom Wildgrafenberg (Hajo Nitsch) kaufen will und dem Gemeinderat den Floh ins Ohr von 400 künftigen Arbeitsplätzen setzt. Das weckt Begehrlichkeiten – das könnte eine Zwangsfusion mit Merraschuum verhindern!

Alle noch so fadenscheinigen Intrigen, vom Dorfchef Josef und den Ratsmännern „Otto“ und „Gustl“, Tobias Hehmann und Emanuel Eßling arrangiert, werden vom Opa ad Absurdum geführt und konterkariert. Hinzu kommt, dass die Wiese dem altledigen Bauer Heini (Gisela Franzmann) gehört und der mit dem Opa auf einer Wellenlänge liegt, und dem ebenfalls der Schalk im Nacken sitzt. Sie poldern gegen die Lumperei der drei Dorfdeppen. Opa sitzt am Katzentisch, er soll im eigens aufgebauten Holzschuppen eingesperrt werden und ins Altersheim – von Anfang an fliegen ihm alle Sympathien zu, und letzten Endes räumt er das Feld von hinten auf!

Als das Dorfoberhaupt unter der Nummer 32-16-8 Rosis Nummer wählt und mit Anna-Maria Barth (geborene Hehmann) die Reinkarnation einer leibhaftigen „Bordsteinschwalbe“ im knappen Mini und mit rattenscharf-roter Perücke die Szenerie betritt und in einer grandiosen Techtel-Mechtel-Inszenierung ran geht wie Blücher und für Irrungen und Wirrungen sorgt. Dass diese Rolle für Anna-Maria größte Überwindung erforderte, wissen nur Insider. Letztlich findet sie beim Happyend mit Geigenlehrer Baldouin (Judith Stangenberg) das berühmte Deckelchen, das bekanntlich auf jedes Töpfchen passt. Eigentlich ist Hausmagd Emma in der Familie der gute Geist, aber als sie es in dem ganzen Tohuwabohu „läärisch“ ist, die Koffer packt und emotional weinend durch den Saal einen ganz starken Abgang hat, fühlt das Publikum mit Köchin Bettina Theis und zollt einmal mehr Szenenapplaus. Das war ganz großes Kino, auch wie sich der Opa zum Happy-End die Bagaasch reihum vorknöpft…

>>Souffleuse ist Regisseurin Sabine Hehmann, für Bühne und Technik zuständig sind Christopher Hehmann, Rene` Stangenberg, Karina Schlarb, Veit Hexamer, Benjamin Reidenbach und Tobias Barth. Bei den vier Aufführungen sind über 60 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Zwei weitere Veranstaltungen gibt’s am kommenden Wochenende: Samstag, 30. März um 19 Uhr und am Sonntag 31. März um 15 Uhr. 2006 brachten die Kirschrother den Schwank in drei Akten „Die Bojemäschderwahl“ auf Bühnenbretter, 2010 ging es in einem ungewöhnlichen Wahlkampf mit gleich vier Kandidaten um „Frauenpower“, 2013 stand „Das perfekte Brautkleid“ im Fokus und 2015 hieß die Komödie „Natur pur!“. Hoffentlich müssen wir jetzt keine vier Jahre mehr warten, äußerten viele Zuschauer als ein dickes Kompliment


Die Theatergruppe

Kirschreerer Klänichkäde

fetzte sich und wuchs

über sich hinaus!

--Das Loch in der Wand!--