Fasenacht ist vorbei - weiter so im Hamsterrad? Immer mehr Läden schließen, in Dörfern mangelt es an der Grundversorung. Verhungern in Otzweiler Tiere?

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März 2019: Fasenacht und der ganz normale Wahnsinn... Leider nur noch ein bisschen wahnsinniger, noch skurriler, noch entlarvender! Ein Rundumschlag: Ist unsere Gesellschaft noch zu retten? Diese Frage muss zumindest gestellt werden. Drei gravierende Beispiele im März 2019: Während in Kirn die Kulturloge & Co. auf einem ganz hohem Niveau seitenweise in der Zeitung präsentiert, wer und warum und wieviel Eintritts-Karten an wen und wann kostenlos verteilt werden, herrscht in Otzweiler das blanke Chaos: Zwei Brüder wollen sich nicht helfen lassen, die ganze Macht des Staates verkommt zur Ohnmacht. Alle im Dorf wissen um die Hilflosigkeit der beiden, niemand unternimmt etwas, bis jemand Anzeige erstattet, einen Hilferuf sendet, und in der Folge auf dem völlig verwahrlosten Hof dann endlich das große Rad gedreht wird, tote Kamerunschafe gefunden und weitere abtransportiert werden.

Den ahnungslosenb Otzweilerern darf man absolut keinen Vorwurf machen, dass es soweit gekommen ist. Sie haben Heu und Stroh abgegeben, mehrfach Hilfe angeboten, und beide Brüder um die 50 Jahre haben auch gearbeitet, in der Landwirtschaft, in Sien und Bad Sobernheim, im Stall oder Pferdestall niederwertige Jobs angenommen. Wo aber bleibt „das Amt“, wo die par ordre du Mufti beauftragten und gut bezahlten Betreuer / Vormünder? Jetzt: Das blanke Entsetzen. Jetzt endlich müssen Taten folgen – jetzt muss ein Konzept, eine Struktur sichtbar werden, jetzt muss Tabula-rasa gemacht und konkrete Hilfe erfolgen. Die örtliche Firma Rodenbusch muss mit LKW´s kommen und ausmisten. Schon vor Jahren schrien nachts, gegen morgen, Schafe, und jetzt erinnern sich Altvordere wieder warum - wegen Hunger! Nach diesem schrecklichen Anlass muss jetzt endlich etwas passieren – jetzt muss sich die Gesellschaft, das Ehrenamt beweisen – wie konnte es soweit kommen, wo ist alles Geld hingegangen? oder blicken weiter alle weg?

Zweites Beispiel, mehrfach hier in www.Heylive.de mehr als Anregung zum Nachdenken, nicht als Häme und Spott, thematisiert. Leere Läden in den Orten und Innenstädten - wenn man zur besten Einkaufszeit freitags und samstagsmorgens in der Stadt jemand sieht, ist es der Schutzmann oder das Ordnungsamt, das nachschaut, wo mann/frau ein Knöllchen anbringen kann. Im großen Dorf  Merxheim trugen die Jecken in der Bütt die Misere auch uff die Gaß` - prangerten fehlende Grundversorgung an: Weinstube zu, Bäcker- und Metzgerladen verwaist, die Knusperbäckerei hat nur am Wochenende auf – und wie lange noch? In Lauschied hat Bäcker Florian Schappert am 28. Februar 2019 nach 110 Jahren Familientradition das letzte Brot, Weck und Teilchen gebacken und das Lebensmittelgeschäft zugesperrt. „Umsätze sind unrentabel. Überbordende Bürokratie und Vorschriften“, sagte er auf Nachfrage. Und jetzt hoffen irgendwie alle weit über Lauschied hinaus, an die leckeren Streuselkuchen, Kranzkuchen und süßen Teilchen zu kommen! Erst wenn der Bäcker/Metzger/der Laden oder der Arzt nicht mehr da ist, dann fehlt allen wirklich sehr viel.

Dritte Bemerkung: Bei der Kinderfasenacht am 2. März nachmittags im Bärenbacher Bürgerhaus wurden über 90 Vornamen genannt. Eine junge Frau meinte, den Nachnamen eines Kindes besonders schützen zu müssen. Bei allem Respekt und schützenswerter Persönlichkeitsrechte, bei allem Hype um die Eu-DSGVO: Muss man so ein einziges Kind aus dem Fenster hängen? Fühlen sich von 200 Anwesenden nicht alle 199 vergackeiert, echauffiert, ausgegrenzt? Wer grenzt hier wen aus? Außerdem: Welcher Hanswurst, Lieschen Müller oder Otto Normalo in Idar-Oberstein, Kirn oder Bad Sobernheim wüsste etwas über das Kind und wer wäre etwa Lisa Müller? Hat sich über diesen Unsinn mal jemand Gedanken gemacht? Selbst die Kinder nahmen diese aus dem Ruder gelaufene DSGVO anhand von Beispielen in den Fokus. Anstatt Namen in der Arztpraxis/Wartezimmer rief am Abend Katharina Porger: "Die Patientin für die Pille danach in Kabine 1". Narhallamarsch! Paradox wird die Geheimniskrämerei im Lottogeschäft, wenn der Hartz IV Empfäger aus der Nachbarschaft auf der Großen Anzeige für 233,30 Euro Lotto spielt.

Paradox ist, wenn eine Bardame auf Raten bezahlt. Paradox ist auch, wenn für das Fußvolk Wasser gepredigt und in den Chefetagen und der Jamaika-Koalition oder seit AKK, jetzt neu: Latte-Macchiato-Fraktion in Berlin, Wein und Schampus getrunken wird. Und seit wann gibt es das dritte Geschlecht, dass es eine eigene Toilette braucht? Seit gestern? Und was ist mit Unehelichen? Paradox ist auch, wenn die Gemeinde-Homepage gesperrt ist und der Bürger nicht nachlesen kann, wer im Rat sitzt. Braucht es für solche Hinterzimmer-Politik ein Landestransparenzgesetz? ((Zur Erinnerung - § 1: Zweck dieses Gesetzes ist es, den Zugang zu amtlichen Informationen und zu Umweltinformationen zu gewähren, um damit die Transparenz und Offenheit der Verwaltung zu vergrößern)). Glücklicherweise geht es uns noch so gut, dass die französischen Gelbwesten nicht zu uns kommen müssen, wünschten sich und höhnten ironisch die Büttenredner anno 2019. Narhallamarsch!


Otzweiler im März 2019

Katharina Porger im Interview

Kinderfasenacht in Bärenbach

Altbackenes und harte Brezeln