Meisterchor Coro Crescendo machte seinem Namen alle Ehre

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Meddersheim. Konzerte des dreimaligen Roxheimer Meisterchores „Coro Crescendo“ sind immer etwas ganz Besonderes –im 25.ten Jahr ihres Bestehens kamen 18 textstarke Lieder und Werke mit unterschiedlichen Schwingungen und Stimmungen während eines geistlichen Chor- und Solisten Konzertprogramms zu Gehör.

Wie aus einem Guss als Hommage an die Meddersheimer Martinskirche erklang das geistliche Lied „Dach überm Kopf“. Das vor einer Dekade in zwei Bauabschnitten für 360.000 Euro sanierte Gotteshaus ist für derlei Chor- und Solistengesang und Instrumentalmusik geradezu prädestiniert. In kirchenlateinischer Sprache wurden exzellent und hochzentriert der biblische Psalm 66 „Jubilate Deo“ und das über 1000-jährige „Ubi Caritas“ (Ola Gjeilo) geradezu zelebriert, dem in englischer Sprache „Rejoice in the Lord always“ von George Rathbone folgte.

Ein weiteres ganz festliches Gospel-Lied mit Text von der in Spabrücken lebenden Anna Marita Engel, und ebenso wie Chordirektor und Tenor Jürgen Frank mit saarländischen Wurzeln, war „Näher, noch näher“. Der Hargesheimer Dirigent leitet auch die beiden Meddersheimer Chöre Apollo und Apollo 2010, wo Beate Bleich aus der Weinbaugemeinde auch „Coro Crescendo“ seit 15 Jahren im Sopran verstärkt. Als brillanter Solist mit seiner kraftvollen Stimme überzeugte Jürgen Frank vollends quasi bei seinem Heimspiel und erntete Beifallsstürme bei den beiden Werken „Caro mio ben“ und „You raise me up“. Weitere Sahnehäubchen waren das von Udo Jürgens 1968 komponierte „Ich glaube“, wo menschgemachtes Leid thematisiert wird, und von John Rutter, dem Gründer der „Cambridge-Singers“, das Lied „Schau auf die Welt“ als ein Lob auf die Schöpfung.

Das Mottolied „Festival Alleluia“ von Sonja Poorman kam allein mit den beiden Wörtern „Sing Alleluia“ aus – das Sonntagskonzert am 27. Januar fand am Gedenktag für die Holocaust-Opfer und die Menschheitsverbrechen der NS-Diktatur statt. Moderator und Konzertführer Peter Hüttemann fand jederzeit die passenden Worte, auch als er die Ü-70-Generation direkt ansprach und an die größte politische Leistung des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876-1967) erinnerte. 1955 reiste der in die Sowjetunion und holte die letzten 10.000 Kriegsgefangen heim – im niedersächsischen Lager Friedland kamen sie an. Damals spielten sich unbeschreibliche und herzzerreißende Szenen der Wiedersehensfreude ab. Tausende sangen aus Dankbarkeit das 400 Jahre alte Kirchenlied „Nun danket alle Gott“ – vor diesem Hintergrund hatte dieses Orgelstück von der brillanten Organistin und Pianistin Sun-Young Kang-Mäder auf dem Meddersheimer Instrumentarium emotional eine ganz besondere Geltung mit Gänsehautfeeling.

„Es gibt Situationen im Leben, wo einem die Worte fehlen“, leitete Peter Hüttemann zu den beiden Pop-Balladen „Music speaks“ und „Wide open spaces“ von der kanadischen Songwriterin Sarah Qartel über - genießen, zurücklehnen und die Seele baumeln lassen, war angesagt. Im extremen Kontrast dazu „Cantilena“ von Karl Jenkins: Mit diesem aus Stimmbildung und Probewochen jüngsten Premierenlied mit Pep und Swing sowie Begleitung durch Altflötin Elfriede Göbel überraschte der Chor seine Zuhörer voller Esprit und Leidenschaft. Vom Text her war mehr Kauderwelsch und Lautmalerei mit afrikanischem Touch ohne Sinn zu hören, aber in zwei unterschiedlichen Parts, mitreißend sowie wunderschön getragen, war Disziplin und Leidenschaft sichtbar und hörbar. Lange und stehende Ovationen wurden mit dem Abend- und Gute Nacht-Lied „Abend wird es wieder“ im Satz des bekannten und zeitgenössischen Carsten Gerlitz und im Text von A.H. Hoffmann von Fallersleben belohnt.