Isabell Lauf: "Afrika bedeutet, genug Zeit zu haben....!"

Kategorie: Weiler, Allgemein

Von: Isabell Lauf für heylive.de

Freiwilligenleben in Ruanda

„ Von meinem Heimatdorf Weiler nach Afrika…“

Ich bin Isabell Lauf, 23 Jahre alt und nun als Freiwillige für drei Monate in Ruanda in der Hauptstadt Kigali. Ich komme aus Weiler bei Monzingen, ein kleines Dorf in Rheinland- Pfalz im Kreis Bad Kreuznach, und habe eine abgeschlossene Ausbildung als Industriekauffrau.

Dass Rheinland- Pfalz das Partnerland von Ruanda ist wusste ich natürlich. Auch dadurch, dass ich damals in der Schule schon an verschiedenen Aktionen für Ruanda teilnahm, waren mir schon einige Dinge bekannt. Jedoch dass ich einmal selbst hier sein werde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Als mir allerdings die Idee kam einen Freiwilligen Dienst im Ausland zu machen, rückte Ruanda immer näher, ohne dass ich bereits davon wusste. Durch die Organisation „Förderverein Lützelsoon zur Unterstützung krebskranker und notleidender Kinder und deren Familien e.V.“ mit deren Vorsitzenden Herbert Wirzius, bekam ich dann eine gute Kontaktadresse in Mainz von der Kinderhilfsorganisation „Human Help Network“. HHN hilft weltweit hilfsbedürftigen Kindern. Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel das von einheimischen Helfern mitverwirklicht wird. HHN trägt dazu bei, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen und die Lebenschancen junger Menschen aus ärmsten Schichten weltweit zu verbessern. Die Organisation hilft unbürokratisch, effizient und nachvollziehbar.

Nach einigen Gesprächen, u. a. mit dem Vorsitzenden <st1:PersonName w:st="on">Ewald</st1:PersonName> Dietrich, über die verschiedenen Projekte und Projektländer von Human Help Network, bekam ich dann die Zusage für meinen Aufenthalt in Ruanda. Worüber ich sehr glücklich war und immer noch bin. Ich bekam einen Einblick in die ruandischen Projekte von Human Help Network. Außerdem über die Jugendkampagne die dieses Jahr im September stattfand. Was eine meiner Hauptaufgaben war, das komplette HHN- Team Ruanda darin zu unterstützen.

Ich lebe in der Hauptstadt Kigali, im Stadtteil Gatenga auf dem Grundstück des Jugendzentrums der Salesianer Don Bosco. Hier befindet sich ebenfalls das Hauptbüro von Human Help Network Ruanda. Das Jugendzentrum ist in einem großen Areal mitten im Stadtteil Gatenga. Gatenga ist ein Stadtteil mit einem relativ niedrigen Einkommensniveau. In dem Jugendzentrum der Salesianer gibt es viele verschiedene Möglichkeiten für Jugendliche. Unter anderem Schulausbildung, Berufsausbildungen (z.B. in Mechanik, Schreinerei, Elektrizität), Internat für Waisen, Bauernhof für Bildung und Nahrungsmittelproduktion, viele Sportmöglichkeiten für Jugendliche. Ich wohne mit anderen Freiwilligen in einem Haus der Salesianer. Dort habe ich mein eigenes Zimmer und die Möglichkeit an jedem Essen im Haupthaus des Zentrums teilzunehmen.

Projekt Daily Task ist Aktion Tagwerk aus Deutschland (bundesweite Kampagne: Schülerinnen und Schüler gehen an einem Tag im Schuljahr, anstatt zur Schule, arbeiten und spenden ihren Lohn für Bildungsprojekte in fünf afrikanischen Ländern), auf afrikanische Verhältnisse, speziell auf ruandische Verhältnisse angepasst.

Das Grundkonzept des PDT-Tags ist, Jugendliche denen es besser geht als anderen, verbringen einen Tag im Jahr mit Aktivitäten die Gleichaltrigen zu Gute kommen. Durch dieses Projekt sollen die Jugendlichen Bildung auf eine andere Art und Weise erfahren. Sie bekommen vermittelt, dass es sinnvoll ist etwas für andere zu tun und eine Verantwortung für andere zu übernehmen. Das Projekt ist eine individuelle Talentförderung jedes einzelnen.

Dieses Jahr nahmen 30 Schulen an den Aktionstagen teil. Jede Schule entsendete Schüler zu verschiedenen Aktivitäten. Folgende Aktivitäten wurden durchgeführt.

Es fand ein großes Fußballturnier statt. Daran nahmen 44 Mannschaften von 30 Schulen teil. Jungen und Mädchenmannschaften. Die ruandische Fußballförderation wählte die 15 besten Jungs und die 15 besten Mädels aus. Am PDT- Tag spielten diese dann, im Stadion hier in Kigali, gegen die weibliche Nationalmannschaft und gegen die männliche U20 Nationalmannschaft Ruandas.

Außerdem fand ein stadtweites Englisch unterrichten, von allen teilnehmenden Schulen, an öffentlichen Plätzen wie z.B. Markt oder Bushaltestellen statt.

Zum Talentwettbewerb im Singen und Tanzen schickte jede Schule ein Talent zum PDT- Tag. Diese traten dann alle an diesem Tag gegeneinander an. Die Auswahl des Gewinners traf eine Jury, bestehend aus ruandischen Radiomoderatoren und ruandischer Musikszene.

 

 

Ansonsten veranstalteten wir noch ein Charity Car Wash. Das Reinigen wurde von ruandischen Musikern, Radiomoderatoren, PDT- Mitarbeiter und natürlich Schüler von den teilnehmenden PDT- Schulen, übernommen. Jeder der kam zur Autoreinigung musste einen Mindestbetrag bezahlen, alles was dabei mehr eingesammelt wurde kommt zu den gesamt, gesammelten Sponsorgeldern der PDT- Kampagne 2010.

Alle gesammelten Gelder der Kampagne werden zum Bau/ Sanierung eines Klassenzimmers, in Zusammenarbeit mit PDT- Projekt Daily Task und HHN- Human Help Network Rwanda, genutzt.

Um diese Jugendkampagne so bekannt wie möglich zu machen, arbeitete das PDT- Team sehr eng mit allen Schulen und Sponsoren zusammen. Mit den Direktoren oder verantwortlichen Lehrern, aber hauptsächlich mit den verantwortlichen Schülern jeder Schule. Alle Vorbereitungen dieser großen Kampagne unterstützte ich ab dem 13. Juli bis zum Ende meines Aufenthaltes im Oktober. Wir besuchten im Team die Schulen und präsentierten das Projekt. Wir kümmerten uns sowohl um die Sponsorgelder als auch um die Gestaltung der einzelnen Aktivitäten. Sowie die Vorbereitung des Englisch Unterrichtens, die Fußballmatches oder um die Jury für den Talentwettbewerb. Ich hatte die Möglichkeit mich in vielen Dingen auszuprobieren und versuchte darin auch mein bestes zu geben. Außerdem war es schön zu sehen, wie die Vorbereitungen Gestalt annahmen und die Umsetzung erfreulich gut funktionierte. Ansonsten machte die Zusammenarbeit mit den Schülern sehr viel Spaß.

Auch durch die Besuche auf dem Land, in den verschiedenen Sozialprojekten von HHN, bekam ich  einen sehr guten Überblick. Ich lernte Land und Leute kennen. Es ist sehr interessant zu sehen, was man mit Einheimischen Helfern erreichen kann. Wir besuchten verschiedene „Kinderfamilien“ (=Familien in denen es keine Eltern mehr gibt und in denen das älteste Kind die Elternrolle übernimmt). Dieser Anblick war für mich nicht einfach, mit soviel Elend und Armut direkt konfrontiert zu werden. Allerdings ist es schön zu sehen, dass die Kinder durch die Unterstützung von HHN nicht ganz alleine da stehen. Die Kinder werden von Sozialarbeitern  von HHN betreut. Ihre medizinische Versorgung, Wohnmöglichkeiten und Schulkosten werden gestützt. Ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse reichen oftmals nicht aus um zu überleben. Die Mitarbeiter helfen ihnen dabei dies zu bewältigen. In Sachen Hygiene, Ernährung und auch in psychischen Problemen werden sie unterstützt. Dazu bekommen die Kinder die Chance in Einkommen schaffenden Projekten teilzunehmen (wie z.B. Landwirtschaft oder Schneiderei).

Auch der Besuch der Mutter- Kind- Projekte war sehr interessant. Eine Kooperative erhielt eine Sondergenehmigung zum Brennen von Ziegeln, die andere ist im Bereich Bienenzucht und Gemüseanbau tätig. Die alleinerziehenden Mütter können ihre Kinder mit zur Arbeit bringen und es steht ihnen eine Betreuung für die Kinder zur Verfügung.

Das Besuchen aller Projekte im ganzen Land war sowohl überwältigend, als auch erschreckend. Jedoch war es großartig zu sehen, was man wirklich bewirken kann.

Viele Seiten hat dieses Land. Bevor ich kam hörte und las ich viel, immer wieder wurde Ruanda das Land der tausend Hügel genannt! Als ich dann den ersten Genuss davon bekam war ich sprachlos. Das ist nicht einfach so ein Floskel, sondern es ist wirklich so. Durch die Reisen durch das Land, nur in Kigali, war das schon zu erkennen. Hügel soweit die Blicke reichen. Atemberaubend ist diese Landschaft. Ob es unendlich viele Bananenbäume sind oder Teeplantagen soweit die Blicke reichen. Der Blick auf den Kivusee, Kaffeebäume und Maniok, Papaya, Maracuja oder Ananas. Als wir durch den Wald fuhren, liefen kleine Affen um unser Auto herum. Einfach beeindruckend das alles so hautnah zu sehen und zu erleben.

Eine ganz andere Seite dieses Landes ist die Hauptstadt Kigali. Hier in Kigali gibt es viele Möglichkeiten, sei es der Besuch verschiedener Märkte (Supermarkt aber auch traditioneller Markt) oder auch die vielen kleinen Shops, mit vielen ruandischen Spezialitäten und Souvenirs. Viele neue, große Gebäude werden gebaut, die Stadt wächst und wächst. In Kigali trifft man einfach auf viele verschiedene Menschen, die sich jedoch von der Landesbevölkerung sehr unterscheiden. Armut und Reichtum sind hier sehr eng nebeneinander.

Das ich mit meinem Aufenthalt und meiner Arbeit hier in Ruanda nicht die Welt verändern kann, war mir von Anfang an bewusst. Mit diesem Gedanken und mit der Bitte im alltäglichen Einsatz herausgefordert zu werden kam ich hierher. Ein neue Lebens- und auch Lernerfahrung in der Begegnung mit Menschen einer anderen Kultur zu machen. Dies war nicht immer einfach für mich. Jedoch bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Zu Sehen, was Human Help Network hier schon erreicht hat und noch erreichen will. Zu versuchen, wenn ich zurück in Deutschland bin, wenigstens ein bisschen zu vermitteln was hier wirklich vor sich geht und was ich gesehen und erlebt habe. Die Zeit hier zeigt mir, dass jeder in unserer Welt den materiellen Profitgedanken etwas zurückschrauben sollte und könnte! Ich kam mit nicht viel hierher, reise jedoch mit sehr vielen, atemberaubenden Eindrücken, in meinem Herzen, einem großen Stück Ruanda ab. Meine Zeit hier ist und war großartig, meine einzigartigen Erfahrung und Erlebnisse kann mir niemand mehr nehmen. Hier habe ich wieder mal richtig realisieren können, wie gut es mir zu Hause in Deutschland geht. Wie belanglos manche Probleme sind, im Gegensatz zu den Problemen hier! Und das nicht alles selbstverständlich ist, in was für einem Überfluss wir leben.

Oft habe ich in den letzten Wochen folgenden Satz gehört und mir immer vor Augen gehalten: „Afrika bedeutet genug Zeit zu haben und von dieser auch genug mitzubringen.“ Dies hat sich in meinem Aufenthalt auch immer wieder bestätigt.

 


Isabell Lauf über den...

...Dächern von Weiler

Mutter-Kind-Projekt