Was wird mit Leerständen in der Kirner Innenstadt? Fleischerei Saxler zu!

Kategorie: Lokale News an Nahe und Glan, Kirn, Einst & Heute

 

Leerstände in Kirn- >>Fotos unten<<: „Die Stadt muss mehr tun!“, fordern die einen. „Wir arbeiten am Thema Leerstände intensiv und mit Hochdruck“, gab sich dazu Stadtmarketingstratege Dietmar Klein noch geheimnisvoll. Fakt ist: Mit zahlreichen städtischen Maßnahmen und der Fertigstellung des Brückenbauwerks „Überflieger“ werden „der Kirner Geschäftswelt weitere Chancen und Perspektiven eröffnet“, rief Wagner bei einem Neujahrsempfang im Gesellschaftshaus aus. Wie aber im Spagat fair umgehen mit sichtbaren Leerständen und Neueröffnungen? Keinesfalls will die Stadt künftig nur Wohnsiedlung für Senioren sein….Eine Bestandsaufnahme: Das Blumenhaus Krämer am Kirner Marktplatz hat wenige Meter in die leerstehende Kreuznacher Volksbank Nahetal in eine attraktivere Lage gewechselt. „Es machen mehr Läden auf als zu“, hat Horst Lanz im Westernstore auf dem Marktplatz beobachtet. Das momentane „Leerstands-Bild trügt“, viele machen Winterurlaub, und wenn der Publikumsmagnet Eisdiele am 12. Februar aufmacht, lebt der Marktplatz wieder auf auch wenn noch nicht alle Außenstühle besetzt sind, sagt der Country-Fan. Er kennt jedes Geschäft in der Stadt. Vor gut einem Jahr sei die Bahnhofstraße noch tot gewesen, jetzt hätten dort viele neue Geschäfte geöffnet: Neben Bauspar- und Versicherungsbüro gibt es Physiotherapie, daneben Fußpflege und Maniküre, eine Tür weiter einen exklusiven „Seniorenshop“, sogar ein Bambini-Baby und Kindermode-Laden mit Umstandmode hat sich neben Apotheke und Volksbank am August-Bebel-Platz etabliert. Gegenüber gibt es das traditionsreiche Kaufhaus Müller, Sport Loch präsentiert aktuelle Mode wo einst Fotografen Rödler Bilder schoss, es gibt das Kebab Haus, den Post- und Geschenke-Shop, das History und Cafe Schläger und ein Pferdezubehör-Shop sowie die Sparkasse, alles im Stadteingang / Bahnhofstraße. Lanz klagt: „Alte Läden mit Treppen in der Nahegasse sind schwer zu vermieten und wenn Vermieter jahrelang „nur rausholen und nichts investieren, kommt der Kollaps“, sagt er, und will mit seiner Frau Ursula mehr als nur den Farbpinsel schwingen und im Februar renovieren. Wenn ein Angebot da ist, kommen die Kunden, Candlelight- Shopping, Mode-Rallye, Enten-Rennen oder Beach-Party seien beste Beispiele. Erscheinungsbild und Infrastruktur der Stadt habe sich positiv verändert und gewandelt, die Bemühungen der Kaufmannschaft dürften nicht kleingeredet werden, findet auch Paul Sichler in der Lindenstraße. Dennoch: Kirner Fachgeschäfte könnten den Giganten in Gewerbegebieten kein Paroli bieten. Er sei „gerne und mit Leib und Seele Kirner“, sagt der Konditormeister. Im zweiten Stock seines Elternhauses am Hahnenbach, da wo früher das Cafe auf zwei Ebenen auch im Obergeschoss voller Leute saß, befindet sich heute sein Schlafzimmer. Leerstände täten ihm in der Seele weh, auch sein Geschäft ist wie die komplette Lindenstraße verwaist. Der 49-Jährige habe Glück gehabt, dass er für Dr.Oetker Großkunden beliefert und seine Frau in Weierbach Arbeit, Lohn und Brot, fand. Leerstände seien der Zeit geschuldet, Kaufkraft wandere auf die so genannte „grüne Wiese“ und in die Kallenfelser Straße ab, die Jugend orientiere sich um und das Kaufverhalten habe sich verändert. „Die Leute müssen nicht mehr täglich in die Stadt“, sagt er ratlos und nennt Idar-Oberstein und Bitburg, wo es viel schlimmer sei. Von den einst acht Kirner Metzgereien haben seit dieser Woche nur noch Lamberts im Steinweg geöffnet. Niemand wirklich glaubt jedoch, dass die Fleischerei Saxler lange die Rollläden geschlossen hält, zumal nebenan das Haus Franzmann Ecke Nahegasse/ Gerbergasse erheblich und aufwändig saniert und bald mit Augenoptik neu öffnet. „Das ist leider nicht überall so, viele Häuser zerfallen, weil sich die Eigentümer nicht darum kümmern- Eigentum verpflichtet!“, ist ausgesprochener Tenor allerorten. Denn wer nicht modernisiert und mit der Zeit geht, geht mit der Zeit ist eine alte Binsenweisheit. Bürgermeister Fritz Wagner kündigte im Steinweg weitere Sanierungsmaßnahmen an, die modernsten Ansprüchen gerecht werde. Die Baustellen Überflieger und Kasinoweg werden bald beendet sein. Auch er denkt, dass Eigentümer gefordert sind, man allein in kleinen Läden mit 100 Quadratmeter nicht mehr seinen Lebensunterhalt erwirtschaften kann. Er appellierte an Kreativität und neue Ideen, Erfindergeist und Unternehmertum: Der Stadtchef habe seine Haushausgaben gemacht, nun wirbt er bei den Hausbesitzern: „Im Rahmen der Stadtsanierung wird seit Jahren für Modernisierungen nicht nur in der Kernstadt finanzielle Hilfe gewährt, bisher wurde noch niemand abgewiesen!“, plädierte Wagner auch an die Eigentümer, mehr zu tun für ein lebenswertes und liebenswertes „Kaufhaus Kirn“.

Zu den Fotos: In die Bahnhofstraße ist Leben eingekehrt: „Licht lockt Leute“, dieses uralte Drei-L-Prinzip ist mehr denn je gefragt. In der Lindenstraße geht schon lange gar nix mehr....


August-Bebel-Platz

Bahnhofstraße

Fleischerei Saxler

Lindenstraße ist...

..komplett verwaist

Kohls Brotkorb: zu