Bistum zieht Notbremse: Kirner Katholiken plagen 232.000 Euro Schulden - Gewaltakt droht - Rendant: "Harte Nuß" - Kirchen flächendeckend am Ende?

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Kirn. Zum zweiten Krisentreffen kamen 36 Katholiken ins Pfarrzentrum St. Pankratius. Noch einmal wurde Tacheles geredet und Versäumnisse aufgearbeitet, wie es zu der 232.000 Euro-Schulden-Misere kam, bis das Bistum Trier die Notbremse zog. „Es gilt hier, eine ganz harte Nuss zu knacken, um den liturgischen Auftrag mit dem Pastor zu erfüllen. Sparen und sich Einbringen lautet das Gebot der Stunde, Trier will Ergebnisse sehen“, verdeutlichte unverblümt Rendant Ulrich Klingel die prekäre Lage.

Kirn liegt mit Trier im Clinch, ist aber nach den Worten vieler Insider nicht die einzige Baustelle im Bistum- es brennt lichterloh, überall! Auch bei den Evangelen siehts Zappenduster aus. Dass Kirchen über Winter zu haben, um Heizkosten zu sparen, ist chic und kommt immer mehr in Mode:  Jeder Pfarrer weiß, dass die ländliche Region "zu viel verwöhnt und nicht mehr zu halten ist". Sagen will das niemand, nur so viel: Selbst in bevölkerungsreichen Bundesländern müsse man weit fahren, 20 Minuten oder 20 Kilometer, um Taufe oder Konfirmation kirchlich zu feiern.

Jetzt also Kirn: „Es wurden mit Sicherheit Fehler gemacht bis hin zur Annahme fiktiver Zahlen“, wollte Pastor Heribert Barzen nichts beschönigen und nach vorne schauen, während Klaus Käthler als sein Stellvertreter im Pfarrei-Verwaltungsrat die Aufstellung der jährlichen Haushaltsplanung erörterte. Aber: Das Zahlenwerk der laufenden Verwaltung sei dann „nicht unser Geschäft, sondern Sache der Rendantur gewesen“. Viele Jahre deckten die Einnahmen nicht die Ausgaben, so begann über Jahre eine Spirale mit einem Fehlbetrag von bis zu 15.000 Euro, von Betriebskosten für das Altenheim Maria Königin (5.000 Euro) bis hin zum Eigenanteil an Baumaßnahmen wie Kita oder Pfarrhaus. Hinzu kommt seit einem Jahr ein Budget, wonach die Pfarrei Kirn als Arbeitgeber 28 Arbeitnehmer entlohnt, was Spitz auf Knopf gestrickt sei, und ebenfalls heute Abend bei einer weiteren Sitzung auf den Prüfstand muss. Zur Verbesserung der Finanzlage fusionierte Kirn-Sulzbach mit Kirn und brachte fast 60.000 Euro Schulden als „Mitgift“ ein. Ganz hart ins Gericht gingen die Brüder Gerhard und Bernhard Loch mit Trier, die diese Fusion den Kirner überstülpten und sich nicht an der zugesagten Entschuldung beteiligte, das Bistum letztlich anstatt Kostenübernahme die Notbremse zog.

Klaus Käthler zählte zehn Punkte auf und schloss mit den Worten, es „müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir hier nicht vorankommen“. Nach Trier fahren, auf den Tisch hauen, damit Versprechen eingelöst werden, forderten Mitglieder. Trier lasse Kirn nicht hängen und habe Zugeständnisse gemacht, sagte Ulrich Klingel und auch Dr. Buck relativierte: Trier habe auch kein Geld, die Finanzsituation sei überall angespannt..

Der Weg aus der Schuldenkrise führt für Ulrich Klingel allein durch das Herstellen von Liquidität. Die wird erreicht durch eine Kreditaufnahme von 130.000 Euro bei 1,99 Prozent Zinsen und der magischen Zahl 7. Sieben Jahre lang sollen 200 Mitglieder 7 Euro im Monat zahlen, und so Zinsen und eine Teilschuld tilgen. Oder wie es Gemeindereferentin Monique Frey ausrechnete: Wenn alle 2610 Gemeindeglieder 88,88 Euro zahlten, sei die Pfarrei Schuldenfrei- 232.000 Euro getilgt: „Wir müssen uns wie Münchhausen selbst aus dem Schlammassel ziehen, enger zusammenstehen“, richtete sie einen Appell an die Versammlung. Ob das gelingt? Monique Frey notierte auf 27 Zetteln erarbeitete Vorschläge. Sie reichten von einer Reaktivierung des Fördervereins „Rettet St. Pankratius“ über die Hilfe des „Nähcafes“, Darlehnsumschuldung, Basar und einem Spendenbarometer und einem 7-Jahres-Plan mit Teilentschuldung. Niemand drängte sich jedoch bei einer Abstimmung auf, ob jemand bereit ist, zusätzlich in erster Reihe den Karren aus der Entschuldung zu ziehen.

>>>Fortsetzung folgt: Am 11. Juni trifft sich das so genannte „Schuldenreduktionskomitee“ um 20 Uhr erneut im Pfarrzentrum St. Pankratius.


27 Ideen: Wie Münchhausen selbst...

St.Pankratius in Schieflage