Ex-Weltklasse-Handballer Jo Deckarm in Hall of Fame - Benefizkonzert

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LachendMeddersheim. Seit 1983 kommt Joachim Deckarm ins Kurhaus Menschel, „Jo“ Deckarm war 1978 Handballweltmeister. Im März 1979 hatte der 59-jährige gebürtige Saarbrücker bei einem Europapokalspiel im ungarischen Tatabanya einen Sportunfall mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma und lag 131 Tage im Koma. Jetzt, Ende Mai 2013, wurde er während einer Benefizveranstaltung „Goldene Sportpyramide 2013“ des DOSB in die „Hall of Fame“, in die Ruhmeshalle des deutschen Sports in Berlin aufgenommen, was die Zuhörer im Meddersheimer Tennensaal mit lang anhaltendem und herzlichem Beifall quittierten.

In einer kurzweilig-amüsanten Stunde präsentierte Liedermacher Gerhard Engbarth für Jo Deckarm unter dem Titel „Lebensbaum“ ein „Best off“ an Schätzen und Neues. Neben dem Künstler unterstützen die Familien Menschel (Meddersheim) und Schatto aus Bad Sobernheim sowie das VBW Meddersheim um Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk den Aufenthalt. Musikalisch wirkte Geburtstagskind Christian Herzog (44) aus Idar-Oberstein mit. Gerhard Engbarth ist Kolumnist unserer Zeitung in der freitäglichen Ausgabe „Wir von Hier“, und musste als Zugabe die jüngste Story über „Monika Menschels Wurzeln“, lesen, die charmante Unternehmerin assoziierte er mit den starken Wurzeln einer Efeu-Ranke.

Der Bad Sobernheimer Bluesikant und Kabarettist, Jahrgang 1950, tritt seit über 40 Jahren auf. Längst ist der versierte Allrounder und Mundartpoet ein gefragter Künstler und Botschafter, der das Naheland in die Ferne trägt. 90 Minuten lang strahlt der WDR am 4. August um 20.15 Uhr in der Reisesendung „Wunderschön“ unter dem Titel „Weine, Steine, alles Feine“ einen Report mit Engbarth aus, derweil dreht der SWR in der Reihe „Expedition in die Heimat“, wo Engbarth sein Spezialprogramm „Heilender Humor“ vorstellt, die er seit über zehn Jahren in Reha-Kliniken quasi als Rezept verabreicht.

Engbarth lässt seine Zuhörer teilhaben am ganz banalen Alltagstrott,  wenn er die Gitarre stimmt, oder sich auf seinen Hocker setzt, den der Kirner Portefeuiller Andreas Anton neu bezog, und der seitdem sonderbare Geräusche macht die man leicht mit etwas anderem verwechseln könnte. Am 2. Weihnachtstag 1965 sei er vom Blues getroffen worden wie vom Blitz aus heiterem Himmel: „Was der Schlager unter den Teppich kehrt, spricht der Blues aus“ – seine Bluesform sei Lebensgefühl in zwölf Takten und in wenigen Strophen.

Er spielt die Bluesharp wie kein Zweiter, wenn er auf seiner Mundharmonika mit zehn Kanälen und 20 Tönen auf der Dur-Tonleiter weltmeisterlich modulierend die nächst höheren Töne herunterzieht und sein Publikum damit restlos begeistert. Nicht nur das „Mississippi-Saxophon des kleinen Mannes“ beherrscht der Entertainer aus dem Effeff, seit er in den 1970-er und `80-er-Jahren als gefragter Backgroundmusiker und Tourneebegleiter namhafte Stars wie Georges Moustaki, Champion Jack Dupree oder Iverson Minter, besser bekannt als die jüngst verstorbene Blues-Legende „Louisiana Red“ war, und sich auf zahllosen Tonträgern verewigte. Dieses Metier hat er einst gewählt, seit er nach dem Tod seiner Eltern die Büromaschinenfirma verkaufte. Einer, der als Kind davon träumte, wie Albert Schweitzer sein zu wollen: Etwas Grundsolides und Nützliches zu tun. Als Allrounder gereift, steht er heute im Zenit seines künstlerischen Schaffens und lässt wie bei seinem Benefizauftritt in Menschels die Zuhörer teilhaben. Darüber, wie reich beschenkt er bei Reisen in die Vergangenheit wird, wenn er Mentoren von früher wie den Musiker Kurt Dörr in Odenbach, oder die 80-jährige Helene Sander in Lauterecken trifft, die einst ein Musikaliengeschäft besaß.

Es sind die Geschichten, die das Leben schreibt, das Feedback von Bekannten, Erinnerungen und Bilder von Land und Leuten. An seinen Vater, der Magenbrot so gerne mochte. Ausgerechnet Magenbrot! Dann beginnt bei ihm Kino im Kopf; - das volle Programm: Der Duft von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte, von glasierten Äpfeln, wo garantiert der Spieß kaputt bricht und die Zuckerpampe wie Epoxydharz noch lange an den Händen kleben bleibt.

Herzzerreißende Erinnerungen baut er ohne Effekthascherei authentisch auf und spielt erstmals „Mavis Lied“. Damit erinnert er an eine Einladung von Mavi Mohr zu Beginn der 1990-er Jahre. Das an Leukämie  errankte  junge Mädchen in der Felkestadt wollte er gedanklich in dunklen Stunden begleiten und niemals allein lassen. Es war mucksmäuschenstill, man hätte eine Stecknadel fallen gehört. Seine positiven Gedanken haben geholfen, seine Zuhörer applaudieren erleichtert über ein Happy-End: Mavi ist gesund geworden, sie studierte Medizin und arbeitet heute als Ärztin in Heidelberg.

Zum achten Male traf Engbarth Jo Deckarm, dessen Wortspielereien und geistreiche Spontaneität ihn beeindruckten. Schön, dass es solche Menschen wie den vielfach ausgezeichneten Kunst- und Kulturpreisträger Gerhard Engbarth gibt, der zur Freude seiner Zuhörer Zeit und Muße schenkt, dankten Menschels.


Gerhard Engbarth / Joachim Deckarm