2015 erneut dubiose Koffer-Versteigerung auf dem Hahn? Aber: Wer verliert schon Bratpfanne, Anhängerstützrad und kaputten Akku-Schrauber? Eine Farce!

Kategorie: Kreis KH, Allgemein, Lokale News an Nahe und Glan, Wirtschaft, Lifestyle, Reisen

 

Die Koffer- und Fundsachenversteigerin nach Jahren der Abstinenz nahe dem Flughafen Hahn wurde zu einer Farce: „Gebrauchsspuren sind vorhanden, spätere Reklamation oder Umtausch sind ausgeschlossen. Die Sachen sind einige Jahre alt. Bezahlt und abkassiert wird an Ort und Stelle. Auf den Ersteigerungspreis kommt ein Aufgeld von 18 Prozent und darauf die gesetzliche Mehrwertsteuer macht plus 21,42 Prozent“- klärte die Auktionatorin auf. Die elfjährige Emily Hey aus Meddersheim wollte ein Handy, ein MP3Player oder ein Tablet PC haben, und ihr Papa ließ sich in die Bieterliste mit der Nummer 351 eintragen. Aber Fehlanzeige: Als Emily erfuhr, dass die Teile teils vor  Jahren gefunden wurden, Akku leer, Gebrauchsspuren, und keine Garantie haben, quasi Schrott und kaputt sein "könnten", und dann das ganze Geld plus dem Aufpreis für den Versteigerer mit größter Wahrscheinlichkeit futsch und flöten ist, da fiel die Kinnlade herunter, da schmolz das Lächeln, die Begeisterung und die Euphorie über ein vermeintliches Schnäppchen wie das Eis in der Sonne.

Wie Emily ging es vielen: Wie bei „Vorsicht Falle: Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ verschaukelt äußerten sich viele. „RudisResteRampe“ sei Gold dagegen, jeder Flohmarkt sei 1000-mal seriöser. Aber wie im richtigen Leben hatten die weit angereisten Kunden nur zwei Möglichkeiten. Gehen oder sich amüsieren. Und dies erlebt zu haben, mittendrin statt nur dabei zu sein, war für Emily Hey ein Gewinn fürs Leben.

Zuerst  wollte die Gymnasiastin gar nicht in die viel zu kleine Halle für so viele Menschen, unwillkürlich dürften sich bei jedem in der Halle die Nackenhaare gesträubt haben. Als in Bad Sobernheim das letzte Haxenessen am Vorabend Mitte November 2013 über die Bühne ging, wollten die Veranstalter nicht sagen, dass in der großen Leinenbornhalle 315 Gäste waren, weil die riesiege neu renovierte Sporthalle "nur" für 295 Besucher  ausgelegt sei. Und hier? Wo war hier die Gewerbeaufsicht? Viele Hunderte waren da unwillkürlich vom Gedanken der Platzangst und dem Chaos ergriffen. Penetranter Schweißgeruch, dicht an dichter Körperkontakt, Frontalangriff durch Husten, Rotzen und Niesen fremder Leute und die Angst vor Taschendieben inklusive, denn auch Emilys Papa hatte etliche „Hunnis und Fuffis“ dabei. Es sei vorweggenommen: Einzig die Bockwürste mundeten und waren köstlich- sonst reizte außer der Erkenntnis, hier übertölpelt zu werden, überhaupt nichts.

Das Geld des Versteigerungserlöses muss drei Jahre „geparkt“ werden, erzählte  Flughafen Managerin „Bianca Waters“ in TV-Kameras. Der Verdacht liegt also nahe und wurde auch geäußert, das viele im Nachhinein genau ihren Verlust beschreiben können und sich das Geld für ihr „verlorenes Gut“ mit einem lachenden Auge abholen werden.

Den Bietern, die vorne saßen und sich schon vor Tag und Tau aufmachten, ihr Schnäppchen des Jahres zu ersteigern, sollte nicht der Blick verstellt sein auf die Raritäten und Schätze, die da vor ihren Augen auf den Auktionatorstisch gezerrt und angepriesen wurden. Also musste sich das gemeine Fußvolk, man könnte auch sagen der „Mob“ oder der „Trampel und Pöbel“ an den Rand zwängen, damit die Durchgänge frei blieben und „die schweren Koffer“ schnell zu ihren neuen Besitzern gelangen konnten. Wie ein Wunder klappte es, wie Ölsardinen zwängen sich über 700 Leute zusammen. Sie hatten ja nur zwei Möglichkeiten.

„Gebrauchsspuren vorhanden“, war der am meisten gehörte Satz. „Ramsch“ wäre treffender gewesen. Die einzig wenigen Schnäppchen suggerierten den Bietern gleich zu Beginn als „Appetitanreger“ hier einen Reibbach zu machen. Bratpfannen, Regenschirme im Sechserpack, Haargummis und Modeschmuck in Kunststoff Pfundsbecher, kaputte Handys im Dutzend, Jacken im 150-Liter blauen Müllsack; - Herz was willst du mehr!?

Ein neuwertiges Anhängerstützrad, angesetzt für 5 Euro ging unter zehn Euro weg. Bei einem Trolly fiel auch schnell der Hammer, da war das Mindestgebot von 20 Euro, bei 22, 24, 26, 28, 30…>>in zwei Euro-Schritten<< bei über 60 Euro erreicht. Wer bietet mehr?  Psychologisch gewieft in derlei Schnäppchenangeboten folgte im schnellen Auktionsgeschäft immer wieder mal ein abgedroschener kaputtener Artikel für viel Geld, den man viel billiger und mit Garantie im teuersten Fachgeschäft am Platze bekommen hätte. Koffer begannen mit mindestens 40 Euro. Gut erhaltene wurden mit Bieterkarten bis 180 Euro in die Höhe getrieben. Plus 21,42 Prozent - macht stolze 218,55 Euro, sofort zahlbar plus Spesen oder Trinkgeld für die Helfer. Hammer! Rad am Koffer abgebrochen? Nicht schlimm, ein Makel hatte jedes Ding- das sahen die Bieter im Gepäcknetz ganz hinten nicht. Und als ein Bieter der Auktionatorin damit konfrontierte, ein Touchscreen sei nicht das gepriesene Ding und nicht vorhanden, musste er seine Bieterkarte abgeben und den Saal verlassen. Es waren ja genügend andere Leute da.

Übrigens: Ein Tablet PC war durchgebrochen- das Touchscreen war auf einer Seite kaputt und doch wurde es für gutes Geld – man könnte einfach sagen von einem Trottel- ersteigert und landete nicht einmal im Müll. Schocking!. Die Frage stellt sich: Wer reist beispielsweise von der Türkei mit Schund, Müll und dreckigen Sachen ein? Ich nicht!

Ich würde gerne Mäuschen spielen, wie viele Leute sich vom Auktionshaus das Geld für soviel Schrott ausbezahlen lassen. "Der Hahn lernt fliegen- lautet sein Motto und die Hinterbänkler sind auch nicht so dumm, das sieht man an den vielen subventionierten Windrädern", sagte ein Bieter aus Heimweiler bei Kirn. Er hatte einen durchwühlten Koffer ersteigert. Auch im SWR- Fernsehen (Landesschau) äußerten Interviewpartner: „Ich bin schockiert, was die Leute für kaputte Koffer und dreckige Wäsche anderer ausgeben". Mehrere TV Sender waren da, sechs Kameras nahmen auf. Die Koffer wurden von hübschen Komparsinnen in der hintersten Ecke vor laufenden Kameras geöffnet, anprobiert, und mit O-Tönen für neue Nachmittags-Soaps in Szene gesetzt.


Zwangvolle Enge: Schnäppchenjäger

Emily Hey mit No. 351: Nicht zum Ansehen

Allerhand Krimskrams- vom Slip übers Laufrad bis zum Modellhubschrauber

Mehrere Kamerateams nutzten das Spektakel