Pyrotechnik-Explosionsfund in Lauterecken setzt ganz großes Rad in Bewegung

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Bad Sobernheim / Lauterecken. „Wie? Ihr hier? Nicht nach Lauterecken Aktionfotos und Sprengstoffbilder machen?“ rief im Real-Markt Bad Sobernheim an der Westtangente durch den ganzen Markt eine Kassiererin zwei zufällig einkaufenden Lokalreportern am Tag der Heiligen drei Könige 2017 zu. „Nein, dürfen wir nicht, fremdes Terrain; - dafür kommen die Chefreporter im Hubschrauber angeflogen“, antwortete einer spontan. „Die Polizei macht die gefilterten Zeitungsbilder selbst. Reporter und Gaffer unerwünscht wie gestern in Odernheim“ rief der andere Lokalreporter laut durch den Markt.

„Warum das? Hatte das Müllauto auch Sprengstoff geladen?“ wollte verdutzt die real- Mitarbeiterin wissen. Und was war in Odernheim passiert? Ein Müllauto schleuderte am frühen Morgen auf seinem Weg in die Niedermühle über Glatteis und plumpste relativ spektakulär und mittig auf der Fahrerseite liegend in den Mühlgraben – die drei Insassen wurden leicht verletzt und konnten sich retten.

Zurück nach Lauterecken, wo der ortsansässige Tatverdächtige nach einem Sprengstofffund sofort in Untersuchungshaft genommen wurde: „Da wird wieder ganz scharf mit Kanonen auf Spatzen geschossen – ist auch der Luftraum über der Stadt gesperrt?“, wurden dortige Pressefotografen ironisch gefragt. „Eine reine Showveranstaltung“ meinten Lauterecker Geschäftsleute. „Etwas übertrieben“ antworteten wie Anwohner Manfred Berg (70 Jahre) in der Tagespresse – auch das Stadtcafe von Bernd Gauch und Doris Schlemmer machte wegen der Evakuierung zwei Tage lang keinen Umsatz. „Ja, haltet richtig drauf, dieser Nonsens-Aufstand muss für die Nachwelt dokumentiert werden“, rief eine Passantin den TV-Kameraleuten zu. Ob dies wohl gesendet wird? Erinnerungen an den Hundsbacher „Pulver-Kurt“ im Januar 2011 wurden lebendig.

Laut den Veröffentlichungen und Pressemitteilungen des Polizeipräsidiums Westpfalz „kann“ im ungünstigsten Falle und im übertragenen Sinne „das Haus in die Luft fliegen“. Wie Ermittler vor Ort erklärten, habe der junge Mann einen Teil des Materials so zusammengemischt, dass dieser die vierfache Sprengkraft von Trinitrotoluol („TNT“) besessen habe. Ob ihm das bewusst gewesen sei, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Und was, wenn wirklich was passiert? Bis zum Abtransport wurde das Haus polizeilich bewacht, die Stromversorgung unterbrochen.

In jedem Fall hätte diese gefährliche Mischung einen großen Schaden anrichten können. Das Material, die Rede war von 110 Kilogramm, war bereits entschärft worden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Es wurde zwei Tage lang in Spezialbehältern in kleinsten Mengen (5-Kilogramm) über Sien zum Truppenübungsplatz transportiert.

Eine Polizeisprecherin teilte vor laufenden Kameras mit, dass 87 Menschen in etwa 30 Wohnungen evakuiert wurden. Das pyrotechnische Material war im Elternhaus des 18-Jährigen Tatverdächtigen in Lauterecken gefunden worden. Ermittler prüfen, ob der Mann gemeinsam mit einem 24-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen eine Explosion in Kaiserslautern geplant hatte, was beide Männer bestreiten. Sie sitzen inzwischen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat – zur Last gelegt wird vermutlich ein Anschlag mit einem Anschlagsplan in Kaiserslautern, in Untersuchungshaft. Beide bestreiten dies.

Zu den Fotos (SWR-Landesschau und Internet-Screenshot Rhein-Zeitung) – durchgespieltes Text-Szenario im Wortlaut: „Dieses gepanzerte Fahrzeug der Polizei würde im Falle einer Explosion die Druckwelle in Lauterecken abfangen. Eine Raupe steht bereit, um das schwergewichtige Gefährt wieder aufzurichten“.