Bodo Bach hat "Pech gehabt" und unternimmt Frontalangriff aufs Zwerchfell

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Fotos Textende -UNTEN- Bad Sobernheim. Das Comedy Schwergewicht, die hessisch-Babbelschnud´ und der „Schnissschwarter“ Bodo Bach (Robert Treuter, * 25.10.1957) wurde im ausverkauften Bad Sobernheimer Kaisersaal mit seinem neusten Programm „Pech gehabt“ von der ersten Minute an von seiner Fangemeinde umjubelt und gefeiert. Mit seinen 55 Jahr` und 59 Monaten hätte er als durchgeknallte Rampensau schon viel erlebt, aber dass man die Gäste einsperren muss, sei ihm neu, umschrieb er den neuen Windfang im Kaisersaal, wo man die Luft schneiden konnte, um im kabarettistischen Sprachjargon zu bleiben.

Clips aus dem Pleiten-Pech & Pannenmilieu waren Einstiegskracher. Auch wenn der Offenbacher „net die hellste Kerz´ uff de Tort ist“, lieben ihn seine Fans – sein Programm arbeitet er süffisant ohne Punkt und Komma in Themenblöcken ab, und er kann aus einem geistreichen Fundus aus dem Vollen schöpfen. Schadenfreude sei die schönste Freude, die Komiker Woody Allen und Johann Lafer hätten ihn inspiriert, und wenn das Publikum nicht auf seine Kosten komme, stimme der Titel: „Pech gehabt“. Anders als in seichten TV-Ratespielen, wo er Enie van de Meiklokjes auf die Pelle rückt, blüht er im Kaisersaal auf, ist in seinem Element, nimmt die Zuhörer mit zu sich nach Hause bei seine Gerda und Sohn Rüdiger ins „Ich-krieg-einen-Anfall“ Ikea-Hotel Mama. Nichts ist ihm heilig. Verquere und kleinkariert-skizzierte Gedankengänge haben etwas Authentisches, Pointen sind garantiert. Bodo besucht ein Museum und erklärt im Kaisersaal die brotlose Kunst, die meist erst nach dem Ableben Gewinn bringt: „Öl auf Leinwand geht ganz schwer raus, aber lieber vom Lebe' gezeichnet als von Vincent van Gogh gemalt - meist hätt man den Maler uffhänge solle". Bei einem roten Kunstwerk zerrte ihn seine Frau weg. „Komm, das ist der Feuerlöscher“.

Hans-Herrmann in der ersten Reihe heißt sein roter Faden, schließlich lebt kontrastreiche Situationskomik und Kopfkino vom Feedback: Jeder hat im Leben schon einmal Pech, sagt er und fragt im gleichen Atemzug: „Is das ihr Partner?“

Im zweiten Teil läuft Bodo Bach zur Höchstform auf, wenn er einst und jetzt, Glück und Pech, seine Kindheit und die heutige Jugend im Wettstreit und das Stadt/Land-Gefälle karikiert: „Trinkste fünf Bier in de Stadt, biste Alkoholiker. Trinkste fünf in der Dorfkneipe, biste de Fahrer“.  Glück ist, wenn man die Eröffnung des Berliner Flughafen noch erlebt. Die Amis haben dagegen mit Trump Pech - „wenn ich den seh` krieg ich Erektion - im Mittelfinger“. Überhaupt: Nie zuvor gab es solche Vollpfosten auf unserem durchgeknallten Planeten. Man muss das Beste draus machen, das Leben nehmen, wie's kommt. Oft kommt's dicke, die Welt dreht sich. Und wenn er von seiner Jugend, von Heidi und Bonanza, von Geha und Pelikan, von High Chaparrel und drei TV-Programmen schwärmt, die damals mehr boten als heute 58, dann erwacht euphorisch das Kind im Manne und das Erklärer-Gen. Ob der Besuch einer Erotikmesse mit „ Ommm“ und Kamasutra, oder das überraschende Ableben seines ungeliebten Nachbarn – der Entertainer lässt zur Freude des begeisterten Publikums kein Fettnäpfchen aus.

Bodo steht mittendrin im prallen Leben und stellt die richtigen Fragen: „Werd' ich vom Pech verfolgt oder geh'n mir nur zufällig in die gleiche Richtung?" Der geistreich-witzige Lieblingshesse präsentiert sich hellwach, vielseitig, vielschichtig und vor allem „vielosophisch“ – und dafür lieben sie ihn! „Pech gehabt“ lebt von Comedy und Ironie. Warum ein Sechser im Lotto? Zwei Dreier tun`s doch auch!

Das Publikum applaudiert und dankt lange stehend, Geburtstagskind und Frohnatur Jutta Simon kam mit Heike Fischer aus Simmertal. Beide sind zusammen 112 Jahre jung: „Bodo lässt´s mitten aus dem Leben heraus richtig krachen, herzerfrischendes Lachen garantiert!“.