Meckenbach 2: 75 Hausnamen im alten Ortskern verteilt - kein Fake

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Fotos UNTEN anklicken. Meckenbach. Mitte Mai 2020 begann der Dorfgemeinschaftsverein im Ort „In der Bräbach“ mit der Auslieferung der alten Hausnamen im Ortskern. Die Idee dazu hatte schon vor Jahren der Material- und Gerätewart im Verein, Werner Molz, der quasi mit dem in Hennweiler gebürtigen „Neubürger“ und zweiten Vorsitzenden Wolfgang Heimfarth 75 Schilder auf dem Schubkarren von Haus-zu-Haus brachte. Neubauten wurden dabei nicht berücksichtigt, erzählte Heimfarth – die Schilder sind ein Geschenk des 50 Mitglieder zählenden und im September 2003 gegründeten Dorfgemeinschaftsverein, dessen amtierender Vorsitzender Thomas Brumm ist. Den Vorstand komplettieren Kassenwart Eberhard Färber, Schriftführerin Susanne Wildberger und die Beisitzer Uwe Kilian, Rüdiger Schlarb und Alfred Holler.

Die Resonanz auf diese innerörtliche Initiative war sehr gut und wurde am Wochenende trotz Abstandsgebot und Coronakrise von den Haushalten über den grünen Klee sehr gelobt. Die Schlosserei Horst Pauly hat die Namen aus Aluminium gelasert, die dann von der Firma Paul Nisius und Inhaber Martin Friedt lackiert wurden. Dem Namensschild beigefügt war ein kleiner Beutel mit Schrauben, Dübel und Abstandshalter und der Telefonnummer 0171 7164352 „eines netten Meckenbacher Mitbürgers“, namentlich von Marc Friedt, der bei Bedarf gerne bei der Montage behilflich war und ist.

Die meisten alten Hausnamen wurden in der Hauptstraße verteilt. Viele Meckenbacher haben außer ihrem Familiennamen auch noch einen Beinamen oder Hausnamen, der oft auf die Vorfahren, ihre Erbauer oder alte Zünfte und Berufsstände wie „Schumachersch“, „Müllersch“, „Schmieds“ oder „Schmiedsperersch“, „Beckersch“ und nicht selten auf den Standort hinweisen. Der Hausname als Wohnstätte ist eine der wichtigsten Wurzeln, aus denen sich die im ausgehenden Mittelalter umgreifende mundartliche „Zweinamigkeit“ bedient, sowohl in Städten wie auf dem Land. Denn: Als es noch keine Katasterämter oder Grundbücher gab war es wichtig, den Besitz samt Lehnsrechte, Dienstleute und Hörige eindeutig zuordnen zu können. Dies war nicht zuletzt für den Einzug von Steuern oder Abgaben für Grund- oder Landesherren sehr wichtig. Und so sind heute wieder Namenszüge wie „Brunneperersch“, „Geißeschneirersch“, „Schlarbhannese“, „Pelzersch“, „Hinnerheisersch“ oder „Grawenickels“ an den Häusern in Meckenbach zu lesen.

„In der Gass 15“ warteten schon Rita und Ernst Ries. Das über 100 Jahre alte „Riese“-Anwesen ist tipptopp modernisiert, bis vor 15 Jahren war der landwirtschaftlich geprägte Hof mit Ackerbau und Viehzucht, überwiegend Ammenkuhhaltung, voll im Betrieb, es ist das Elternhaus von Ernst Ries. Sohn Michael wohnt gegenüber „In der Gass 12“ und in „Fuchse“-Haus – er baut Getreide an. Obendrüber wohnt Else Kistner „In der Gass 14“. Die 87-jährige zweifache Mutter und Oma kam 1952 über den Berg aus dem damaligen Ort Heimberg nach Meckenbach und heiratete zwei Jahre später Günter Kistner. Dessen Urgroßvater war Ortsbürgermeister und abgeleitet vom Schultheiß wohnt sie heute noch immer in „Schollese“-Haus.

Die Kinder wohnen in Fürfeld und in Mülheim an der Ruhr, die Seniorin wird im Ort behütet und pflegt die gutnachbarschaftlichen Beziehungen. Else Kistner hat immer ein strahlendes Lächeln auf den Lippen. Und wie erlebt sie die Coronakrise? „Die überstehen wir, wenn sich alle an die Regeln halten. Es gab zu allen Zeiten Krisen. Den Zweiten Weltkrieg mit Tod und Leid habe ich viel schlimmer in Erinnerung, auch weil die Leute im Bombenhagel in die Keller mussten“, erinnert sie sich.

Eigentlich war am 9. Mai der zweite Meckenbacher Flohmarkt geplant – auch die Kerb am dritten Sonntag im Juli, wo der Dorfgemeinschaftsverein Mitausrichter ist, wurde ersatzlos gestrichen: „Wenn die Corona-Verordnungen dies zulassen, findet im Herbst im Gemeindehaus die traditionelle Weinprobe statt“, informierten die beiden Männer Wolfgang Heimfarth und Werner Molz unverbindlich.

Zu den Fotos:  „Social Distancing“ - mit Abstandsgebot wurden die 75 alten Häusernamen am Freitagmorgen in Meckenbach an die Haustür gebracht. Rita und Ernst Ries (von links), Werner Molz und Wolfgang Heimfarth.Else Kistner wohnt in "Schollese"- Haus.