Hegeringschau 2013 Kirn-Sulzbach / Region: Jäger mit brisanten Themen!

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Kirn-Sulzbach. Bei der Hegeringversammlung 2013 standen bei den jagdpolitischen Ausführungen aus der Kreisgruppe nur nachdenkliche und brisante Themen auf der Agenda: Am 20. April finden in Waldböckelheim Wahlen zum Kreisjagdmeisters und Stellvertreters statt, Kreisgruppenvorsitzender Klaus Nieding warb bei den mehr als 40 anwesenden Jägern um Teilnahme.

Die Jägerschaft stehe im intensiven Dialog mit dem Bauern- und Winzerverband und verspüre „teils sachlich, teils aggressiv“ Druck von den Grundeigentümern. Keinesfalls nur als Jux habe sich Nieding beim Meddersheimer Weinfest anhören müssen, er solle „nicht hier `rumstehen, sondern Wutzze schieße geh`n“. Am Freitag wurde vom EU Bundesgerichtshof für Menschenrechte das Bundesjagdgesetz bezüglich Bejagungsverbot der Grundbesitzer aus ethischen Gründen geändert, der Meddersheimer Jurist las die Passagen vor.

Weitere „Baustelle“: Gegen die Landesjagdverordnung gebe es landesweit eine Petition, insbesondere für die komplette Aufhebung der Schonzeit für Rot-, Dam- und Muffelwild sowie den Paragraph 13 über die Hochwild- Bewirtschaftungsräume („falsche Ansätze“). Bei der Jagdsteuer des Kreises wolle man kein Öl ins Feuer gießen: „Der Kreis hat 220 Millionen Euro Schulden und darf nicht auf Einnahmen „Jagdsteuer“ verzichten“, resümierte Nieding.

Stichwort Biogasanlage Nußbaum: Hier formiere sich zu Recht massiver Widerstand. Neben dem hoch subventionierten Betrieb sei der Anbau von 200 Hektar Mais und Getreide als Nahrungs- und Lebensmittel zur Energievergasung und -verstromung ein gravierendes ethisches Problem.

Ein Umdenken müsse es bei der Wildschadensregelung geben- „keine Jagdpachtverträge ohne Deckelung“ forderte der Vorsitzende eine Reißleine einzuziehen und stellte mehrere Varianten auch auf  Sonderkulturflächen (Weinanbau) bis hin zu einer Drittellösung (Jagdgenossenschaft/ Eigentümer/ Pächter) vor.

Weiteres abendfüllendes Thema: Zerfahrene Waldwege und Selbstwerber: Letztere müssten Zeiten und Fristen gesetzt werden. Der Wald könne keine billige Lagerstätte fürs heimische Brennholz sein- zudem hätte die forstliche Nutzung hinter den Interessen der Jagd zurückzustehen, wenn schon eine strengere Bejagung gefordert werde. Hegeringleiter Michael Kloos berichtete über die örtlichen Aktivitäten.

>>>Wir fragten den Kreisgruppenvorsitzenden Klaus Nieding aus Meddersheim, warum die Zahl der Rehunfälle so hoch ist, mehr noch: 2012 war ein Rekordjahr mit Wildunfällen- und in den ersten drei Monaten 2013 hat sich diese hohe Zahl erneut verdoppelt. Was tun? Klaus Nieding nennt mehrere gewichtige Gründe: Raser und unangepasste Geschwindigkeit, Warnschilder „Wildwechsel“ werden ignoriert und nicht registriert. In der Tat passieren hier die meisten Unfälle, den Tieren fehlt die Zeit zur Flucht. Zudem sei es kein Mastjahr gewesen, kaum Äsung: Rehwild findet keine Nahrung mehr, Eicheln und Buchecker fehlen, es gebe keine Beeren mehr im Wald. Jetzt im Frühjahr lockt die frische Vegetation: Klaus Nieding rät, in der Dämmerung langsam und vorausschauend zu fahren. Gerade jetzt mit der Zeitumstellung am Ostersonntag kollidiert die Nahrungsaufnahme verstärkt mit dem Feierabend- und Berufsverkehr.

Zum Foto: Hegering-Stellvertreter Dr. Bernhard Runkel (von links), Frank Lemp, Kreisjagdmeister Hans-Joachim Bechtoldt, Erwin Neusinger, Vorsitzender Klaus Nieding, Guido Müller, Joachim Greber und Hegeringleiter Michael Kloos bei der Trophäenschau.


Trophäenschau -Namen unter dem Text.