EOS in Hahnenbach beliefert Global-Player wie Red Bull & Firmen mit Weltruf

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Hahnenbach. Als der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner im Heliumballon bei seinem Stratosphärensprung in 39 Kilometer Höhe aus seiner Kapsel ausstieg und auf seinem Flug zur Erde die Schallmauer durchbrach, verfolgten Millionen das waghalsige Spektakel im Internet und an den TV-Geräten. Nun hat der oft als „irrer Ösi“ titulierte Base-Jumper und Fallschirmspringer schon oft werbewirksam Flügel verliehen bekommen, und all dies Abenteuer konnten Millionen Zuschauer live verfolgen. Das dies in solch brillanter Schärfe und HD-Qualität möglich war, ist sicherlich dem Know-how und der geballten Kompetenz des Hahnenbacher Unternehmens Electronic Service Ottenbreit GmbH („ESO“) zu verdanken. „Darauf dürfen unsere Mitarbeiter schon ein bisschen stolz sein“, erklärte Juniorchef Dominik Ottenbreit.

1990 gründeten Ambrosius und Ingrid Ottenbreit in Bruschied die Firma, die ständig expandierte und sechs Jahre später aus räumlichen Gründen nach Hahnenbach in die ehemalige Glashütte umzog. Seit einigen Jahren haben die Söhne Björn (32 Jahre) und Dominik (25) das Sagen über 80 Mitarbeiter direkt am Hahnenbach und im rumänischen Lipova.

Aber die Brüder relativieren, stapeln tief, und verstehen sich als Komplettdienstleister eines Elektronikfertigungsbetriebes mit speziellen Lösungen auf modernsten Fertigungsstraßen ohne eigenes Produkt, Bauteile werden zugekauft: „Kundenschutz ist das A und O, genießt höchste Priorität“, erklärt der Informatiker und an der Technischen Hochschule Mittelhessen Prozesstechnik studierende Dominik Ottenbreit. Auf Kundenwunsch werden filigranste und intelligente elektronische Steuerungsprozesse realisiert. Diese hochwertige Industrieelektronik wird meist nicht in hohen Stückzahlen benötigt, Massenware aus Fernost wie Handys, Bildschirme oder Kameras werden nicht produziert. Handarbeit ist gefragt. ESO- Elektronik kann von kompliziert bis einfach überall verbaut sein, aktuell ist das Unternehmen mit über 2000 hochwertigen Produkten im Rennen. Ob in der Kfz-Tacho- oder Heizungselektrik, in medizinischen High-Tech-Produkten, mit Steuerungselektronik in der Sicherheitstechnik für Öl- und Bergbau, ebenso wie in der Marke „E-Modell“: Der Modellbau ist beliebt, viel Intelligenz steckt in digitalisierter Technik samt hoch komplexen LED-Leuchten, die in den kleinen Zügen vom Schaltpult aus wie von Geisterhand gesteuert werden. Und als 2007 die komplette Bundesliga mit neuen, leuchtenden Einwechselungstafeln ausgestattet wurde, stammte das Innenleben von ESO aus dem Kirner-Land.

Die Brüder tragen in jungen Jahren große Verantwortung. Björn studierte Informationstechnik und nach seiner Ausmusterung absolvierte er ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ): „Ich bin der Meinung, dass unsere Gesellschaft mit noch mehr Engagement um ein Vielfaches besser sein könnte“, denkt er laut nach. So baute er fünf Jahre lang allein den Standort in Rumänien auf. Es ging darum, ein ganz neues Marktsegment aufzubauen, China und Fernost Paroli zu bieten: „Dies dient der Standortsicherung hier bei uns: Wir müssen uns vom `Made in Germany`- Gedanken verabschieden und globaler denken“, erläutert sein Bruder Dominik. Rumänien sei absoluter Wachstumsmarkt mit gleichen Umweltstandards und gleichem Arbeitsrecht.

Dominik Ottenbreit wurde jüngst in Kirn-Land zum SPD-Gemeindeverbands-Vorsitzenden gewählt. Was will er verändern? „Mir liegt die Fortentwicklung unserer Region am Herzen, daran will ich aktiv mitwirken“, sagt er und spricht couragiert einen effektiveren Bürgerdialog mit politischen Diskussionen gegen Politikverdrossenheit und verstärkte Präsenz in Facebook oder den so genannten sozialen Netzwerken an. Und noch etwas „brennt den Brüdern unter den Nägeln“: Fast all ihre Studienkollegen seien in Städte verzogen. Die ländliche Region blute aus, dem Fachkräftemangel müsse entgegen gewirkt werden. „Nur noch solide Handwerker und Realschüler haben hier ein gutes Auskommen. „Wie aber bekommen wir Patenschaften mit Unternehmen und Universitäten hin, dass hochqualifizierte Fachkräfte in der Region bleiben?“, das sei die zentrale Frage der nächsten Jahre.


Dominik (li.) und Björn Ottenbreit