Simmertaler Kita-Kunterbunt: Anbau läuft - Stolze 721.500 € Kosten

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Fotos UNTEN anklicken. Simmertal. Der Kita-Anbau in der Schulstraße 8 brummt und ist in vollem Gange. Allerorten ist das neue Kita-Zukunftsgesetz mit dem Rechtsanspruch auf eine siebenstündige Ganztagsbetreuung in aller Munde. Die Simmertaler Kita „Kunterbunt“ ist eine von landesweit fast 2.400 Kitas und erfüllt mit dem Erweiterungsanbau alle gesetzlichen Anforderungen.

Als 2017 schon 18 Ganztagsplätze fehlten und ein Jahr zuvor 24 Neugeborene das Licht der Welt erblickten, schrillten alle Alarmglocken. Heute hat Ortsbürgermeisterin Christina Bleisinger für ihren Vorgänger Werner Speh und     Ratsmitglied Heiko Selwitschka nur Lob und Dank parat: Schon ganz früh habe  Selwitschka im Vorfeld die Kosten ermittelt und belastbare Fördergrundlagen geschaffen: „Packen wir es an, bauen wir das Ding!“, rief er Ende August 2017 im Gemeinderat aus, um die weit gediehene und qualifizierte Entwurfsplanung zum Kita-Anbau samt 3-D Animation und technischen sowie farblichen Nuancen von drei Gruppenräumen, Ruheräumen und zwei Naßzellen vorzustellen, um die Nachfrage fehlender Ganztagsplätze zu decken. Heiko Selwitschka ist Diplom-Ingenieur, Leiter Technik und Service im Geschäftsfeld Leben mit Behinderung bei der Kreuznacher Diakonie mit fundiertem Fachwissen. Sein Planentwurf wuchs aufgrund DIN-Normen und Auflagen auf aktuell 721.500 Euro.

Jedenfalls konnte am 28. Mai 2018 „Kunterbunt“-Leiterin Denise Chmiel eine fundierte Konzeption mit Bedarfsanalyse auf 28 gedruckten Din-A-4-Seiten dem Kita Personal, Elternausschuss und Rat als Träger im Bürgerhaus vorstellen. Aktuell werden 90 Kinder zurzeit von elf Erzieherinnen, dem FSJ´ler Yannick Naujoks und einem Teilzeitauszubildenden plus Hauswirtschaftskraft plus drei Reinigungskräften betreut. Mitte Februar 2020 war Spatenstich und seitdem brummt es auf der Baustelle. Dann kam Corona und Mitte März die Schließung der Kita Kunterbunt. „Baulich liegen wir super im Zeitplan und im Kostenrahmen – wir schaffen was geht“, sagten alle Beteiligten.

Eigentlich könnten 20 Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen eine Notbetreuung in Anspruch nehmen, aber nur vier meldeten Bedarf an und auch diese organisierten die Betreuung anderweitig, berichtete Christina Bleisinger.  Dies liegt im Landestrend: Weniger als ein Prozent nehmen die Notbetreuung in Anspruch. Risikopatienten bleiben in der Regel in Simmertal außen vor, aber ohnehin ist die Kita zu. Die Zeit wird sinnvoll genutzt –täglich verschickt das Kita-Personal über eine Cloud Videos an die Kinder, wo das Morgenlied gesungen wird, Basteltipps, ein gemeinsamer Tanz oder Sportübungen angeboten werden; - die Kontaktpflege sei sehr wichtig: „Beide vermissen sich gegenseitig – und das ganze beugt einer Entfremdung vor“, weiß die Ortschefin.

Beim mittlerweile abgesagten VG-Freiwilligen-Ehrenamtstag im Juli 2020 hätte als Kita-Projekt der ganze Flur gestrichen werden sollen. Diese Arbeiten wurden vorgezogen, sind voll im Gange: Wegen der Abstandswahrung arbeiten in der Kita im Schichtbetrieb nicht mehr als drei Helfer, und das klappe prima, berichteten alle. Und was die Baufirma derweil im Außenbereich schafft, nämlich die Fensterfront in der Blitz-Gruppe vergrößern, war eigentlich für die Sommerferien geplant. Die Blitzgruppe wechselt dann in den neu-renovierten Turnraum.

„Möglicherweise stockt es jetzt an den Folgegewerken“, bedauerten vorgestern Polier Carsten Tölle, Bauunternehmer Mitja Schmaus und der Architekt Christian Welle – denn wegen Corona zeichne sich ab, dass die weitere Ausschreibung hinterherhinkt.  Bis jetzt bleiben die Kosten im Rahmen. „Ich bin heilfroh, dass wir vor der Coronakrise alles in trockenen Tüchern hatten und alle gesetzlichen Anforderungen an das neue Kita-Gesetz erfüllt sind. Denn uns brechen natürlich auch Gewerbesteuer und Einkommenssteueranteile weg, und ob wir das alles finanziell genehmigt bekommen hätten? Ich hoffe, dass unsere Selbstständigen und die kleinen Betriebe alles gut überstehen“, wünschte sich Christina Bleisinger. Jeder Cent in die Zukunft der Kinder sei gut investiertes Geld, ihr Wunsch ist es auch, neben Oberhausen bei Kirn im Kirner Land einen weiteren Krippenplatz anzubieten. 1937-1938 wurde im damaligen Simmern unter Dhaun der erste Kindergarten errichtet; - heute besuchen Kinder aus Horbach, Brauweiler und Heinzenberg den Hort. Die Simmertaler Einrichtung in der Schulstraße war 1972 die erste im Kreis KH, die nach den Richtlinien des neuen Kindergartengesetzes gebaut wurde. So schließt sich der Kreis - alles schon mal dagewesen!

Zu den Fotos: Der Erweiterungsanbau an der Simmertaler Kita „Kunterbunt“ machte bislang enorme Fortschritte, aber er wird möglicherweise von der Coronakrise ausgebremst, weil die Ausschreibungen für die Folgegewerke stocken, befürchtete Architekt Christian Welle (mitte). Mit Schlagbohrmaschine arbeitet Daniel Jenzsch. Das Trio heißt Yannick Naujoks, Katharina Steinegger und Ina Schlarb und nimmt Anstreicherarbeiten vorweg.


Aus dem Gesetz