Horst Dietz: Ein Leben für den Fußball, den VfR 07 Kirn & Coca-Cola

Kategorie: Bad Sobernheim, Meddersheim, VG Kirn-Land, Kirn, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Sport, Leute nebenan, Highlights

 

Fotos am Textende anklicken - Kirn. Gelebtes Leben und schillernde Erinnerungen, 1.010 Coca-Cola Souvenirs, kistenweise akribisch und chronologisch-sortierte Raritäten, tausende Fotos und Zeitungsartikel, Pokale, Trikots und Fußbälle auf über 100 Quadratmeter: Der 82-jährige Horst Dietz blickt gerne zurück: Fußball, der VfR 07 Kirn und Coca-Cola waren sein Leben. Selbst in Erinnerungen „Mein Tagebuch“ von Helmut Kohl, wo der Altkanzler in Kirn einen roten, amerikanischen Getränkeautomaten nach Oggersheim abholte, und der heute Streitgegenstand ist, dankte ihm Kohl höchstpersönlich. Und in der Biographie von Jürgen Klopp „Ich mag, wenn´s kracht“ sind sein reicher Fundus aus Jahrzehnten, Trikots, Bälle und Pokale, „wie in einer urigen Sportkneipe“ verewigt.  Horst Dietz pflegt Radtouren oder eine belebende Streitkultur beim Stammtisch donnerstags auf der Kyrburg oder daheim in Kirn auf dem Wörth. Dann ist er als profunder Zeitzeuge in seinem Element, wenn er mit Weggefährten debattieren und montags beim Skat mit dem früheren Gendarm Otto Horbach, dem Simonianer Walter Henne und dem Limbacher Paul Nikodemus Kontra geben kann.

Als am So. 13.09. 2020 wieder einmal Uli Hoeneß bei seinem 24. Auftritt im Doppelpass auf sport1 live und erregt lospolterte, dass der DFB sich nicht beim 75. Geburtstag von Franz Beckenbauer positionierte, da schlug das Herz des Kirner Urgesteins Horst Dietz über seinen Duzfreund und Fan höher und schneller. „Das ganze Leben auf die 6,7 Millionen Euro Geschichte zu reduzieren? Das geht gar nicht, zumal nichts bewiesen ist und alle beim Sommermärchen 2006 partizipierten, die Infrastruktur verbessert, Milliarden Euro umgesetzt wurden und das Image und Ansehen in der Welt riesig war“, sagt Dietz. So gehe man nicht mit einem „Fußball-Kaiser“, einer „Lichtgestalt“ um: Größere Attribute gebe es nicht, twitterten im Nachgang tausende Gratulanten und schickten Kurznachrichten in die sozialen Medien.

Horst Dietz erinnert sich oft und gern zurück: „Heute fehlen dem FCK regionale Charaktere, ich finde es unausstehlich wie frühere Lizenzspieler über den 1.FC Kaiserslautern herfallen“. Mit dem Zug kam er einst von Staudernheim nach Kirn, lernte ab 1952 drei Jahre Feintäschner (Portefeuiller) bei Heini Müller und blieb noch drei Jahre als Geselle. Als Vertragsamateur des VfR 07 in der 2.Liga Südwest war auch der 1.FCKaiserslautern hinter ihm her war. „Aber Leder? Nee. Nur wenn ich eine bessere Stelle bekomme, bleibe ich in Kirn!“, winkte der Linksaußen mit dem Zaunpfahl. 20 Mark Weihnachtsgeld von Heini Müller schlug er in den Wind, wechselte flugs im November zu Coca Cola und zu Werner Andres. Dort standen die Mitarbeiter in einer Reihe, und da wurde das Weihnachtsgeld „bar-Cash auf die Kralle“ verteilt. Tatsächlich vergas man zunächst den Jungspund-Newcomer - dann erhielt er doch 100 Mark. „Alles richtig gemacht – ich hatte immer tolle Kirner Mitstreiter und wenn ich selbst anderen helfen konnte, war ich am glücklichsten“, resümiert er heute.

Ende der 1950er und in den 1960-er Jahren fanden in der Lederwarenindustrie in Kirn Tausende Lohn und Brot, in der Brauerei etwa 300, in der Coca-Cola wurde der Sirup gegen Scheck und Vorauskasse in Essen abgeholt. In Kirn dann von 120 Mitarbeitern die Limonade abgefüllt, zudem gab es die Vitaborn, wo Säfte hergestellt wurden.

„Ich habe Glück gehabt, geschenkt bekam ich nichts“, denkt Dietz heute  – oft fuhr er mit dem „Bock“ (dem Lieferauto) durch die Lande, Coca-Cola zu verkaufen. Zum Einzugsgebiet zählten über 345.000 Menschen, es boomte und ging steil bergauf, der pro-Kopf Verkauf der Limonade florierte, Kirn lag bundesweit im internen Ranking immer ganz oben – als Kirn zu H&M Interdrink nach Mannheim wechselte, war Horst Dietz Prokurist und Niederlassungsleiter. Und als 1980 bundesweit die Distrikt-Teams Südwest gegen Süden für Benefizzwecke kickten, stand es nach 90 Minuten 7:1- alle sieben Tore vom gefürchteten Torschützenkönig seiner Zeit (1958-1967) und Linksaußen Horst Dietz erzielt. Er spielte bei der Deutschen Amateurmeisterschaft, in zahllosen Auswahlmannschaften, in der AH gegen die WM-Elf von 1954, die von Sepp Herberger trainiert wurde – eine persönliche Widmung als Heiligtum „vom lieben Gott der damaligen Zeit“ hat einen Ehrenplatz.

Durch den Brause herstellenden Global-Player lernte Horst Dietz die Welt kennen: 1977 erlebte er die Vorstellung von Franz Beckenbauer samt Team um Pele bei Cosmos New York live und hautnah mit, und bei der Fußball-WM 1994 in den USA war Christoph Daum persönlicher Reisebegleiter von einem Dutzend deutscher Coca-Cola Verkaufsleiter. Stars und Sternchen, Anekdoten und Storys, Bücher und Ordner voller Highlights füllen Bände. Worte der Wertschätzung aus Show, Sport und Business; - ob von Stefanie Härtel, Box-Idol Max Schmeling, Fritz Walter, Uli Hoeneß, aus dem Morbacher Sport-Hotel Horst Eckel, um nur ganz wenige zu nennen. Mehrfach war Kaiser Franz an der Nahe in Staudernheim oder auf Promotion-Tour in der Bad Kreuznacher Brotfabrik Studt. Die Ehrenspielführer Beckenbauer, Fritz Walter und Uwe Seeler waren öfters im Golf-Hotel Stromberg zu Gast, Fahrer und persönlicher Betreuer war Horst Dietz. Er ist Bild-Zeitung Abonnent und damals berichtete das Blatt, Cola-Kirn sei Beckenbauer Sponsor.

Sein Patenonkel und Schiri Fritz Dietz brachte ihn einst zum Fußball. „Pat, du hoscht eben Mist gepfiffen“ rief er ihm zu. Dann ließ der Referee den Bub vor 3.000 Besuchern auf der legendären Kyrau antanzen und steckte ihm lautstark seine Grenzen ab. Als Dietz zum VfR nach Kirn wechselte, notierten Zeitungs-Chronisten „O-Töne“ aus Staudernheim: „Als Spieler mag er ihnen willkommen sein – aber als Mensch und Charakter werden sie keine Freude an ihm haben“, echauffierte er sich als 17-jähriger Bub. So etwas prägt, bleibt ein Leben lang haften, und in Staudernheim ging sein Vater den Adressanten an die Gurgel. Der Papa musste seinen ersten „Vertrag“ unterschreiben: „50 Mark im Monat, abzüglich 10 Mark Steuer, 1 Mark Kirchensteuer, und wenn Fahrgeld und Fehlzeiten addiert wurden blieb oft 1 Mark Minus, die der Verein dann zahlte, oder die mit Prämien verrechnet wurden“, schmunzelt Dietz.

Im Fokus:  Horst Dietz sieht man intensiv gelebte 82 Jahre nicht an hinter einer starken Persönlichkeit steht immer eine starke Frau: In zweiter Ehe ist er seit 1988 mit der Kirner Sparkassenkauffrau Renate, geborene Gemmel, verheiratet. Horst Dietz war wie Beckenbauer Kofferträger, Vertragsamateur, vor allem aber Fußballer, Finanzstratege, Macher und Manager, Vorsitzender und Ehrenpräsident – „aber ich kam mit zwei Frauen weniger aus als der Kaiser“, lächelte der gebürtige Staudernheimer im Beisein seiner Frau. Dietz erhielt vom FC Bayern München die Silberne Ehrennadel, er ist Ehrenmitglied im VfL Staudernheim, im VfR 07 Kirn, und er wurde 2010 mit dem Harald-Flick-Ehrenpreis der Stadt Kirn dekoriert. Grund: Ab 1996 war er Vorstandsmitglied im Kirner Traditionsverein, von 2003 bis Juni 2010 Erster Vorsitzender. Er und Stefan Staudt reaktivierten mit dem Vorstand die Jugendabteilung, beide übernahmen persönliche Bürgschaften, konsolidierten den VfR 07 von 320.000 D-Mark Schulden (1996) und übergaben den Verein 2010 mit 1.700 Euro im Plus – 82 Aktenordner stehen dazu bei Dietz im Gartenhäuschen.

WIE Franz Beckenbauer und der FC Bayern Erfolg und „Glück“ definieren:  „Glück ist der Sammelname für Tüchtigkeit, Klugheit, Fleiß, Empathie und Beharrlichkeit“.

Zu den Fotos: Der 82-jährige Horst Dietz in seinem Heiligtum: Fußball, der VfR 07 Kirn und Coca-Cola prägten sein Leben. Für Weggefährte ist er ein Urgestein und Macher, ein verlässlicher Freund und Kumpeltyp.