Über 10 Monate Stillstand: Es dauert mit Frischgezapften "St Hildegardis-Bräu": Parkplatz-Zoff und Aktive Stadtsanierungszuschuss sind Bremsklötze. Patrick Wahl wird Brauhaus-Küchenchef - Bierbrauerein Hl. Hildegard hätte ihre Pläsier!

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FOTOS unten: Bad Sobernheim. Seit 10 Monaten Baustopp! Das neue Brauhaus am Fachmarktzentrum und die integrierte Disibodenberger Kapelle soll als Alleinstellungsmerkmal und Wirkungsstätte der Bier brauenden Hildegard von Bingen weit über Landesgrenzen hinaus einen enormem Geist und Strahlkraft entwickeln, dessen sind sich alle Beteiligten sicher. Aber im Mai 2015 musste der Kreisrechtsausschuss vor Ort tagen. Die Eigentümer des Rewe-Fachmarktzentrums und der mietenden Parteien sehen ihre Parkplätze in Gefahr. Außerdem darf nicht eher mit der weiteren Sanierung begonnen werden, bis die Förderanträge im Rahmen "Aktives Stadtzentrum" genehmigt sind. Summasummarum: Ein Jahr Verzug. Mittlerweile wurde mit dem Kupferkannen-Ehepaar Patrick Wahl das Geheimnis des Brauhaus-Küchenchefs gelüftet- und dann wird das traditionsreiche Haus an der Berliner Straße 2 schließen.

Bei der Besichtigung Ende Juli 2014 äußerten durch die Bank alle Fördervereinsmitglieder und Teilnehmer in der Disibodenberger Kapelle, dass sie total überrascht seien, was da im Verborgenen schlummert und nach über 500 Jahren aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst wurde. Derzeit geht es im denkmalgeschützten Teil des Brauhauses sehr turbulent zu: Das Mainzer Amt für Denkmalpflege und die Generaldirektion Kulturelles Erbe geben sich mit leuchtenden Augen Türklinke in die Hand, kontrollieren und dokumentieren, Archäologen und Wissenschaftler machen Ausgrabungen, Studenten aus Mainz sind vor Ort, Pennäler an der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg schreiben ihre Promotion darüber. Des Öfteren schimpft der Bauherr in der Vergangenheit: „So geht das nicht- das ist kein Arbeiten“, aber Eigentümer Bruno Schneider weiß auch, dass das Interesse und Kompetenzgerangel allein dem Projekt geschuldet ist. Vor drei Jahrzehnten noch wäre solch ein modernes Brauhaus mit der denkmalpflege unvereinbar gewesen, heute befruchten sich solche Investitionen- wird auch der Wirtschaftlichkeit Rechnung getragen.

Fördervereinsvorstand und der Merxheimer Bauunternehmer und Investor luden jetzt erneut zu einer exklusiven Besichtigung und hatten mit Alwin Bertram eine Koryphäe der Kirchenarchitektur eingeladen, der Rede und Antwort stand. Von einer Fertigstellung des Brauhauses noch in diesem Jahr, so wie es der ursprüngliche und ehrgeizige Plan vorsah, ist das Projekt weit entfernt, quasi ist das Vorhaben um ein Jahr in 2015 geschoben: Der Experte erklärte: „Die Disibodenberger Kapelle ist ein bedeutender Schatz und das einzige, was von dem kläglichen Rest des Disibodenbergs als Bauwerk in seiner ganzen Pracht überlebt hat“. Drei Etagen bis in die Firstspitze konnten die Besucher in Augenschein nehmen. Der Dachstuhl wurde nach dendrochronologischen Untersuchungen in die Zeit zwischen 1455 und 1493 bestimmt und zählt mit seinen alten Eichenbalken und so genannten Verplattungen zu wichtigsten Zeugnissen der Zimmermannskunst in Rheinland-Pfalz. Das gesamte Gebälk wurde von einer Firma aus St.Goar authentisch restauriert und wird sichtbar erhalten bleiben- die gesamte Dämmung des Gebäudes wird außen angebracht.

Weniger als eine Generation diente die Kapelle als Kirche. Die ganzen Publikationen  über die Disibodenberger Kapelle müssen vervollständigt werden, denn im ersten Obergeschoss wurde in bestem Zustand ein Bogen des Chorgestühls als so genannter Dreisitz mit einem auferstandenen Christussymbol bis in zwei Meter Tiefe ausgegraben, der ebenfalls unter einer Glasplatte der Nachwelt erhalten bleiben wird. Die Proportionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte durch Aufschüttungen verändert.

„Für solch filigrane Arbeiten gibt es keine Flexe und keine Steckdose“, erläuterte Experte Alwin Bertram, 100-prozentig bleibe handwerkliche Arbeit sichtbar. Damit an der Nordseite zur Volksbank hin das neue Brauhaus angebaut werden kann, hat diese Wand Priorität und wurde rundum ein Sandstein-Gaff-Gesims erneuert. Im Sommer 2015 werden die Arbeiten aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst...

 


Über 500 Jahre alte Zimmermannskunst

Brauhauseröffnung in 2015 verschoben

Kulturgut freigelegt

Alwin Bertram ist als Experte Koryphäe