Ex-Kyrburgwirt Horst Kroll übergab nach fast 30 Jahren zum 1.1.2015

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Kirn. „The same Procedure as last Year, Miss Sophie?“ fragte Butler James, worauf diese antwortete „The same Procedure as every Year, James!“ Längst ist der Silvester-Klassiker „Dinner for One“ auf der Kirner Kyrburg ausgebucht. Und doch sorgte das Richtfest vor Wochenfrist am neuen Pub für Irritationen und Gerüchte in der Stadt. Es wurde sogar kolportiert, das größte und bekannteste Whiskymuseum Deutschlands würde schließen, Kirn ein Aushängeschild verlieren und eine jahrzehntelange Ära mit Horst Kroll enden. Der füllte Seiten- und Serienweise einschlägige Hochglanz-Magazine und ist hochdekorierter und anerkannter Experte und Whisky-Botschafter. Wir fragten nach.

Herr Kroll, können Sie aufklären?

Ja, fragen Sie ruhig! Ich übergebe zum 1. Januar an die junge Familie Bronnenkant, so, wie es von Anfang an geplant war, als Herr Möller das Haus gekauft hat. Ich steige aus dem Pachtvertrag aus und übergebe komplett alles, die ganze Whisky-Sammlung mit Brennblasen, Literatur und Accessoires, die Nachfolger übernehmen. Wie bisher kümmere ich mich weiterhin um den Einkauf und die Whisky-Tastings, die freitags oder samstags und für Firmen nach Absprache stattfinden – sie sind immer noch der größte Teil des Umsatzes. Übrigens: Zum Whisky-Tasting reisen 100 Leute die Woche an und 98 Prozent übernachten in der Region.

Sie bleiben also Deutschlands erster Whisky-Burg erhalten?

Ja, seit vier Jahrzehnten arbeite ich mit der Whisky-Industrie eng zusammen. Schottische Malt-Whiskys werden immer rarer und teurer und aufgrund eines jahrzehntelangen Alleinstellungsmerkmals kommen wir an Raritäten und Juwelen, an die nur ganz wenige kommen- auch die Schotten wissen, was sie an uns haben.

Das Konzept für die Tastings wird mit dem neuen Pub künftig kundenfreundlicher ausgelegt sein. Menüs wird es ganz selten geben. Aufgrund der Nachfrage wird ein Büfett angeboten, wo der Gast selbst zwischen Fisch und Fleisch, Geflügel oder Vegetarisch wählen kann, weil zunehmend Allergenen oder Laktose freien Produkten Rechnung getragen werden muss.

Sie meinen, dass eine Veränderung, eine moderne Handschrift, dem Unternehmergeist auf der Kyrburg gut tut?

Oh, ja. Natürlich. Wir haben zwei Jahre zusammen gearbeitet, die jungen Leute stehen in den Startlöchern und wollen Verantwortung übernehmen. Mittlerweile sind viele festangestellte Mitarbeiter und Aushilfen beschäftigt - sie haben eigene Ideen eingebracht, beide haben eine fundierte und grundsolide Fachausbildung. Leonie ist Sommelie`re und gelernte Restaurantfachfrau, Sascha ist Konditor und Koch und hat in namhaften Häusern gearbeitet – beide sind topfit und reif für die Selbstständigkeit.

Wurde mit dem neuen Eigentümer Dirk Möller die Kyrburg wach geküsst?

Sein unternehmerisches Engagement ist beispielhaft, Chapeau! Man muss erst einmal so jemanden finden. Es gibt Investoren und Unternehmer. Ein Investor hübscht es auf, verkauft es, und macht Kohle damit. Unternehmer unternehmen etwas. Sie tragen ein hohes Risiko, Erhaltenswertes zukunftsfit zu restaurieren und nachfolgenden Generationen zu übergeben. Sie investieren viel Geld vor Ort, schaffen Arbeitsplätze. Dafür bin ich sehr dankbar und weiß selbst aus eigener Erfahrung, wie schwierig das zuweilen ist.

Fast drei Jahrzehnte Kyrburgwirt, „Master“ vieler Titel und Ehrungen. Schwingt da jetzt viel Wehmut mit?

(Horst Kroll schmunzelt) Ach Gott, nein. Es hat mir bei allen Schwierigkeiten hier unglaublich viel Spaß gemacht, und das tut es immer noch. Man merkt doch, wie der Zahn der Zeit an einem nagt. Wir hatten einst in 14 Tagen mit unseren Opern 10.000 Leute angelockt – das war sensationell und da arbeiten wir wieder dran. Nun muss ich nicht mehr so in der Verantwortung stehen, in der Woche 70 bis 80 Stunden malochen.

Auf was können sich die Kirner 2015 freuen?

Der neugebaute Pub wird genutzt, die Gäste kulinarisch zu verwöhnen. Es wird ein kompletter Trakt mit viel Fachwerk, naturbelassenen Burgwänden und wird eine ganz spannende Geschichte. Ausstellungen, kleinere Konzerte werden auf einer Bühne oder der Galerie das kulturelle Geschehen in Kirn bereichern und beleben. Johannes Kalpers kommt – für Kirn ein tolles Aushängeschild. Die Trierer Brüder und Liedermacher Andreas, Georg und Ansgar Sittmann zählen ebenso wie John Kirkbride zum Inventar - schon jetzt können im Internet Karten für die Opernnacht am 6. Juni 2015 ab 20 Uhr mit dem MGV „Frohsinn“ Kirn-Sulzbach erworben werden.

>>Die Ruine Kyrburg ist das Wahrzeichen von Kirn an der Nahe und von weitem zu sehen. Sie thront über der Stadt und strahlt erhabenes Charisma und Ruhe gleichzeitig aus. Unterhalb der hohen Zinnen als Verbleibsel der Burgruine im Keller des Wirtschaftsgebäudes ist das Whiskymuseum beheimatet. Horst Kroll lebte zeitweise in England und Schottland, bevor er 1985 aus Bad Kreuznach nach Kirn kam. Eigentümer war seinerzeit Prinz Salm, die Stadt hatte an Horst Kroll unterverpachtet. Aus seinem Hobby heraus machte er mit über tausenden zusammengetragenen Flaschen Whiskys die Kyrburg zu einem Whisky-Museum- der Schwerpunkt liegt auf Single Malt Whiskies aus Schottland.  Die Kirner Kyrburg ist kult! Jahrzehntelang war und ist die 1128 erstmals erwähnte Burg geradezu prädestiniert für schottische Blasmusik, für Dudelsackpfeifer und jede Menge Kultur pur.


Horst Kroll und Dirk Möller

Im Whisky-Museum

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