Otzweilerer leben tagelang hinterm Mond - Empörung ist riesengroß!

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ÜberraschtOtzweiler. Seit dem 13. Juni 2019 funktioniert tagelang fast flächendeckend in der kleinen Randgemeinde von Kirn-Land kein Internet, weder Handy noch Festnetz. Der Ärger ist groß. Wenn man durch den Ort fährt, sieht man Leute auf der Gaß´ mit dem Handy am Ohr. Ob sie Empfang haben? Mehrfach beschwerten sich zahlreiche Bürger über Umwege bei den Medien und Tageszeitungen.

Vermutlich wurde bei den Arbeiten an einem Querdurchlass zwischen der seit Wochenfrist voll gesperrten L 374 eine Telefonleitung in Mitleidenschaft gezogen. Das gelbe Flatterband und die schützende Schale wurden zerstört, von außen ist keine Beschädigung sichtbar. Telekom-Mitarbeiter seien vor Ort gewesen, wollten einen Bautrupp vorbeischicken, aber von denen „wart nichts mehr gesehen und gehört“- sagte uns gestern sichtlich enttäuscht und „angefressen“ der Polier der ausführenden Firma Juchem aus Niederwörresbach, Waldemar Pankratz. Auch er müsse sich irgendwo eine Stelle suchen, wo der Handyempfang funktioniere – an der Baustelle jedenfalls nicht. Schon mehrfach wurde die gleiche Leitung nach Otzweiler gekappt.

Dieser Durchlass zum Großbach hin war ständig verstopft und im Querschnitt  zu klein ausgelegt, weil sich bei starkem Niederschlag dort ein gefährlicher See bildete. „Jetzt liegt ein Betonrohr mit einem Meter Durchmesser“, informierte Tim Schütz von der Firma Juchem, Auftraggeber war der LBM. Das nasse Wiesental in „Langenich“ liegt zwischen der Otzweiler Schulheck und der Becherbacher Kirchenheck, wo Ende der 1960-er Jahre amerikanische Panzer im Manöver im Sumpf stecken blieben und mit „Bananen“-Hubschrauber spektakulär herausbugsiert wurden, wie sich ältere Zeitzeugen erinnern.

Wie auf einer Insel sitzt die Baufirma Rodenbusch in Otzweiler in der Kirner Straße 16, alle Verbindungen funktionieren. Rundherum und im Privathaus im Flurweg wenige Meter entfernt gehen weder Handy- noch Telefonverbindung. „Das ist echt blöd wenn man betroffen ist, das kann man niemand erzählen!“, sagte Jörg Rodenbusch, der ständig in Kontakt zu seinen Baustellen steht und Verständnis für die abgeschnittenen Bürger hat. Am Ende war auch er betroffen!

Mehrere Otzweiler Firmenmitarbeiter oder Inhaber von Sanitärfirmen können keine Teile bestellen, im Ort ist Home-Office nicht möglich, auch die Sprachbox kann logischerweise nicht abgehört werden. Gleich mehrere Mitarbeiter im Plattweg oder Jürgen Haubert von Cola-Cola arbeiteten seit Freitag im Außendienst. Roland Neu im Plattweg 2 meldete über einen fremdes Handy bei Telekom den Schaden und seinen Unmut. Dort (auf dem fremden Handy) ging dann auch eine SMS ein, er sollte sich gestern, am Montagmorgen, 17. Juni bis 12 Uhr bereithalten, zu Hause anrufbereit sein, denn der Mechaniker komme vorbei und würde sich vorher ankündigen. „Wie soll das denn funktionieren? Das ist doch Paradox, Sauerei, aber ganz gewaltig!“, echauffierte er sich, weil sich kein Mensch kümmert. „Wir leben im 21.Jahrhundert und sind weit hinter dem Mond zuhause. Was, wenn etwas Ernstliches passiert?“, sagte er und will gar nicht daran denken. Sein Nachbar gegenüber im Plattweg 1 fuhr zur Öffentlichen Telefonzelle nach Sien. Die war kaputt, außer Betrieb, und deshalb fuhr der Rentner weiter nach Sien-Hoppstädten. Dort fehlt solch ein öffentliches Teil gänzlich, und dann klingelte er mehrfach privat, bis er telefonieren durfte.

Übrigens: Der angekündigte Telefon- oder Telekommitarbeiter und Monteur meldete sich jedenfalls bis 15 Uhr nicht im Plattweg 2, Nachfragen waren nicht möglich. Heute soll die Querung auf der L 374 geteert werden und zeitnah die Straße noch Ende dieser Woche für den Verkehr freigegeben werden, „wenn nicht noch etwas passiert“, informierte gestern Nachmittag auf Nachfrage Karsten Becker von der Straßenmeisterei Kirn.


Firma Juchem

Telefonleitung

Roland Neu, Otzweiler